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Lässt sich die FED im US-Wahljahr von Janet Yellen beeinflussen?


02.02.24 12:46
RBC BlueBay Asset Management

London (www.anleihencheck.de) - Nach dem jüngsten Treffen der Federal Reserve Bank (FED) ist die Zinsphantasie des Marktes optimistischer, als es aktuelle Datenpunkte erlauben würden, so die Experten von RBC BlueBay Asset Management.

Mark Dowding, Chief Investment Officer bei BlueBay, RBC BlueBay Asset Management, blicke auf das aktuelle Sentiment und sehe durchaus Grund für eine gegensätzliche Ansicht. Im Rennen um die erste Zinssenkung sehe er hingegen die Europäische Zentralbank (EZB) vorne.

Letzte Woche habe FED-Chef Powell die Erwartungen einer sofortigen Zinssenkung gedämpft, trotz Marktspekulationen über eine baldige Lockerung.

Die Experten würden davon ausgehen, dass die FED sich zuvor durchaus darüber im Klaren gewesen sei, dass das Entfernen einer strafferen Haltung zu Spekulationen über kurzfristige Zinssenkungen führen würde.

Es sei interessant zu sehen, wie die FED aktuell in Richtung einer eher lockeren Zinspolitik schreite. Vor allem, weil fast alle Daten seit dem vorherigen FOMC-Meeting positiv hätten überraschen können. Unter anderem habe das Wachstum im vierten Quartal 2023 merklich über den Erwartungen gelegen.

Hinzu komme ein US-Aktienmarkt in der Nähe seines Allzeithochs, woraus sich ein zusätzlich positiver Vermögenseffekt ergebe.

Angesichts dieser Datenpunkte würden die Experten davon ausgehen, dass das aktuelle Zinsniveau nicht weit von einem angemessenen Level entfernt sei.

Neben der Diskussion über wirtschaftliche Entwicklung und geldpolitische Maßnahmen gebe es Überlegungen, dass die ehemalige FED-Vorsitzende Janet Yellen für niedrigere Zinssätze bevorzuge. So könnten die Wirtschaft gestärkt und Bidens Wiederwahlchancen erhöht werden. Ob die Wirtschaft das entscheidende politische Thema des Jahres sein werde, bleibe jedoch abzuwarten.

Weitaus weniger positive Überraschungen würden sich dagegen in Europa zeigen, auch wenn die Eurozone im vierten Quartal 2023 eine technische Rezession gerade noch habe verhindern können.

Angesichts sinkender Inflationsraten würden die Experten es für möglich halten, dass die Europäische Zentralbank (EZB) im April den ersten Zinsschritt wagen werde. Zwar würden die Experten von der EZB weniger drastische Schritte erwarten, als derzeit vom Markt eingepreist. Dennoch würden sie Christine Lagarde im Rennen um die erste Zinssenkung vor Jerome Powell sehen.

Während die Aussichten für wirtschaftliches Wachstum in der Eurozone gedämpft bleiben würden und sich Deutschland, als größte Volkswirtschaft der Region, weiterhin schwer tue, würden sich einige Wirtschaften im Süden Europas merklich positiver entwickeln.

Zuletzt sahen wir sogar ein Absinken der Kreditrisikoaufschläge Griechenlands auf unter 100 Basispunkte, wo eine Anleiheemission mit zehn Jahren Laufzeit massiv überzeichnet wurde, so die Experten von RBC BlueBay Asset Management. Hintergrund sei das Erreichen einer höheren Bonität des Staates gewesen.

Die Märkte würden zu Beginn des Jahres ein weitestgehend positives Bild zeichnen. Aktienmärkte hätten in Hoffnung auf eine sanfte Landung der Wirtschaft neue Höchstwerte erreicht, wobei die Stimmung unter Investoren tendenziell bullisch zu sein scheine.

Auch die Aufschläge für Kreditrisiken seien weiter zurückgegangen. Trotz massiver Emissionen neuer Anleihen, die vor dem Hintergrund rückläufiger Anleiherenditen bemerkenswert gut vom Markt absorbiert worden seien, zeige sich auch hier ein tendenziell positiv gestimmter Markt. Während Investoren über mehrere Jahre hinweg im Anleihemarkt eher untergewichtet waren, scheinen Barmittel nun wieder vermehrt den Weg in diese Anlageklasse zu finden, so die Experten von RBC BlueBay Asset Management.

Angesichts der dynamischen US-Wirtschaft würden die Experten davon ausgehen, dass der wahrscheinlichste Weg für die US-Zinsen darin bestehe, dass die FED erst in der zweiten Jahreshälfte mit den ersten Lockerungen beginnen werde. Jedoch bringe das aktuelle Umfeld hinsichtlich der US-Zinspolitik ein hohes Maß an Unsicherheit mit sich, sodass die Experten an dieser Stelle vorsichtig mit Prognosen seien.

Ein Blick in vergangene Zyklen lege nahe, dass, sobald die FED mit Zinssenkungen beginne, die Zinsen innerhalb kurzer Zeit deutlich fallen würden. Jene Politik sei jedoch in der Regel in eine Phase enormer Wirtschaftsschwäche oder starken Turbulenzen an den Finanzmärkten gefallen.

Sollte sich in diesem Jahr jedoch das Szenario einer sanften Landung bewahrheiten, könnte ein Zyklus sinkender Zinsen deutlich flacher und kurzlebiger ausfallen, als aktuell vom Markt erwartet werde. Das würde bedeuten, dass Zinssenkungen nach weniger als 100 Basispunkten bereits wieder ihr Ende finden würden. (02.02.2024/alc/a/a)