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Kreditmärkte: Endlich wieder attraktive Renditen aus Anleihen


16.01.23 12:45
Ninety One

London (www.anleihencheck.de) - Für Anleger an den Kreditmärkten begann das Abschlussquartal des Jahres 2022 schleppend, brachte aber einige willkommene Entwicklungen mit sich: Durch den Rückgang der Verbraucherpreisinflation in den USA, die Verringerung des Tempos der Zinserhöhungen durch die US-Notenbank (FED) und die Abkehr Chinas von seiner Null-Covid-Politik hellte sich die Stimmung auf und die US-Staatsanleihenrenditen gingen von ihren jüngsten Höchstständen zurück, so die Experten von Ninety One.

Die Kernthemen hohe Inflation, straffe Geldpolitik und geopolitische Unsicherheit seien zwar weiter präsent, würden inzwischen aber von den Rezessionsängsten als größtem Sorgenfaktor der Anleger überlagert.

Darpan Harar, Co-Portfoliomanager, Multi-Asset Credit, Ninety One: "Nach der dramatischen Korrektur, durch die die Renditen und Spreads an den Kreditmärkten im vergangenen Jahr weit über den historischen Durchschnitt gestiegen sind, beginnen jetzt wieder andere Kräfte zu wirken. Inzwischen werden die Marktbewegungen wieder stärker durch die Fundamentaldaten bestimmt und die Bedeutung der markttechnischen Faktoren(Dynamik von Angebot und Nachfrage) lässt nach."

Die Kombination aus steigenden Staatsanleihenrenditen und höheren Credit Spreads habe das Jahr 2022 zu einem katastrophalen Jahr für Kreditanleger gemacht. Für die wichtigsten Anleihenindices sei es das schlechteste Jahr aller Zeiten gewesen. Der breite Marktausverkauf habe jedoch attraktive Chancen für längerfristig ausgerichtete Anleihenanleger eröffnet. Beispielsweise habe sich das Ertragsprofil von Kreditanlagen verbessert, insbesondere im Vergleich zu Aktien: Der Abstand zwischen den Renditen von Unternehmensanleihen und den Dividendenrenditen von Aktien sei so hoch wie zuletzt vor mehr als zehn Jahren.

Im vierten Quartal 2022 hätten sowohl Investment-Grade- (IG) als auch High-Yield- (HY) Anleihen deutlich zulegen können, wobei die europäischen Märkte von den nachlassenden Sorgen über Energieengpässe in der Region profitiert und überdurchschnittlich performt hätten. Bis Mitte Dezember hätten die Kurse noch stärker angezogen, bevor die Gewinne angesichts restriktiver Äußerungen der Zentralbanken und einer dünnen Marktliquidität bis zum Quartalsende wieder abgegeben worden seien. Die Spreads von CLOs und anderen verbrieften Wertpapieren hätten sich von der Spreadausweitung erholt, zu der es im Zuge der Marktturbulenzen am Vorquartalsende nach Ankündigung des Mini-Haushalts der britischen Regierung gekommen sei. Für Unternehmensanleihen aus Schwellenländern sei das Q4 das einzige Quartal des Jahres 2022 mit einer positiven Quartalsbilanz gewesen.

Harar habe ergänzt: "Die Marktteilnehmer stellen sich zunehmend auf das neue Zinsumfeld ein. Dadurch richtet sich ihre Aufmerksamkeit jetzt wieder stärker auf die Fundamentaldaten der Unternehmen (d.h. ihre Gesundheit und Solidität). Dadurch dürften die markttechnischen Faktoren an Bedeutung verlieren und die realen Auswirkungen der höheren Zinsen und des schwächeren Wachstums auf die Unternehmen zum wichtigsten Performancetreiber werden. Es ist zu erwarten, dass diese Dynamik zu größeren Performanceunterschieden zwischen den Gewinnern und Verlierern anspruchsvolleren operativen Umfelds führen wird - daher werden Anleger, die von den attraktiven Kreditmarktbewertungen profitieren wollen, sehr selektiv vorgehen müssen."

"Es bieten sich durchaus Anlagechancen, aber die Selektivität bleibt entscheidend, zumal das Ausfallrisiko nach den zuletzt historisch niedrig Ausfallraten im Jahr 2023 wieder steigen wird." (16.01.2023/alc/a/a)