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Korrektur eröffnet neue Chancen am Wandelanleihenmarkt


04.08.22 09:45
Fisch Asset Management

Zürich (www.anleihencheck.de) - Jede Krise ist auch eine Chance - dieses Sprichwort klingt für Anleger, die seit Jahresanfang deutliche Verluste erlitten haben, vermutlich recht abgedroschen, so Ute Heyward, Senior Portfolio Managerin bei Fisch Asset Management in Zürich.

Denn so einfach sei es natürlich nicht: Die Herausforderung für Anleger liege darin, die Chance als solche zu erkennen und entsprechend zu handeln. Die Experten würden meinen, dass der massive Einbruch bei Wachstumswerten jetzt eine derartige Chance darstellen könnte. Denn Aktien aus Bereichen wie Software und Onlinehandel hätten mittlerweile viel heiße Luft abgelassen und würden bei deutlich tieferen Bewertungen notieren. Die Unternehmen seien oftmals etabliert und rentabel und damit weit entfernt von den verlustreichen Hoffnungsträgern der Internetblase.

Natürlich bleibe die Frage nach dem Timing der Investition immer eine Herausforderung und eine weitere Korrektur sei nicht auszuschließen. Genau hier könnten Wandelanleihen eine sinnvolle Alternative zu Aktien darstellen, denn bei ihnen gehe die Korrektur über die Preisnotierungen hinaus. Sie ändere gleichzeitig auch die Struktur der Wandelanleihen, nämlich die so genannte Aktiensensitivität (auch Equity Exposure genannt), zum Vorteil der Anleger.

Viele Wandelanleihen würden derzeit im konvexen 'Sweet Spot' handeln. Ein Vergleich zwischen Juni 2022 und den Vorjahreszahlen mache den Unterschied deutlich: Die Aktiensensitivität des liquiden globalen Wandelanleihenuniversums, gemessen am Refinitiv Global Vanilla Index, habe vor einem Jahr bei 55 Prozent und per Ende Juni bei rund 33 Prozent gelegen. Das heiße, dass sehr viele damals aktienähnliche Wandelanleihen nunmehr im konvexen Bereich handeln würden. Dort habe die Wandelanleihe ein sehr vorteilhaftes, asymmetrisches Chancen/Risikoprofil, denn sie steige bei einem ansteigenden Aktienkurs stärker an, als sie bei fallenden Aktienpreisen verliere.

Des Weiteren gebe es analog eine beträchtliche Zahl, die sich mittlerweile im anleihenähnlichen Bereich befinde. Je nach Risikoneigung und Markteinschätzung könnten sich Anleger mit diesen Papieren nochmals defensiver positionieren. Mittlerweile würden sie auf weit tieferen Kursniveaus einsteigen und gleichzeitig einen deutlich effektiveren Rückschlagschutz erhalten, sollte die Korrektur noch nicht vorbei sein.

Spannend sei dabei ein Blick auf die Sektorebene, denn hier seien die Unterschiede besonders gravierend. Die Sektoren zyklische Konsumgüter, Informationstechnologie und Kommunikationsdienstleistungen hätten in der Korrektur besonders viele Federn lassen müssen. Somit habe es hier auch die größten Verschiebungen bei der Aktiensensitivität gegeben. Bei diesen drei Sektoren seien die jeweiligen durchschnittlichen Equity Exposures in den letzten zwölf Monaten von 62, 61 und 64 Prozent auf nunmehr 31, 35 und 34 Prozent gefallen, was rund einer Halbierung entspreche. Daraus ergebe sich die Gelegenheit, insbesondere Wachstumswerte quasi mit Fallschirm zu erwerben. In den vergangenen Jahren hätten diese Titel sehr häufig bereits bald nach ihrer Emission im aktienähnlichen Bereich gehandelt und seien für viele Wandelanleihenanleger nicht mehr attraktiv gewesen, da sie damit ihre konvexe Charakteristik zu einem gewissen Grad verloren hätten.

Ein Beispiel für ein strukturell aussichtsreiches Thema innerhalb des Megatrends Digitalisierung sei nach Ansicht der Experten Cyber-Security. Einschlägige Studien würden besagen, dass die Nachfrage nach IT-Sicherheit deutlich anziehen dürfte: Dies liege einerseits am durch die Pandemie nochmals verstärkten Push hin zu mehr Digitalisierung auf allen Ebenen, darunter bei Behörden und Verwaltungen sowie bei mittelständischen Unternehmen. Die stärkere Vernetzung lasse auch die Zahl der potenziellen Sicherheitslücken und Einfallstore für Angriffe in die Höhe schnellen.

Andererseits gebe es die politische bzw. geostrategische Komponente, die seit dem Aufflammen des Ukrainekonflikts massiv an Dringlichkeit gewonnen habe. An entsprechenden Firmen in diesem Segment könnten sich Anleger über Wandelanleihen beteiligen. Das Potenzial des Themas werde auch durch die jüngsten Fusions- und Übernahmeaktivitäten unterstrichen. Dabei handele es sich typischerweise um Tech-Konzerne, die Spezialisten aufkaufen würden. Beispielsweise sei Proofpoint durch Thoma Bravo übernommen worden, McAfee habe sein B2B-Geschäft an Symphony veräußert und das Google-Mutterunternehmen Alphabet habe Mandiant (früher FireEye) erworben.

Die Experten würden zwar auch selektiv Gelegenheiten innerhalb der beiden anderen gebeutelten Sektoren, zyklischen Konsumgütern und Kommunikationsdienstleistungen sehen, jedoch lasse sie das unsichere Konjunkturumfeld mit Rezessionsängsten, Inflation und steigenden Zinsen hier vorsichtiger agieren. Das sei beispielsweise der Fall bei der Reisebranche, wozu etwa Kreuzfahrtgesellschaften und Fluglinien zählen würden. Insgesamt würden Wandelanleihen genau in diesem Umfeld, das derzeit neben Chancen auch einige ernstzunehmende Risiken aufweise, aufgrund ihres asymmetrischen Profils eine attraktive Anlagegelegenheit darstellen. (04.08.2022/alc/a/a)