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Kommentar zur außerordentlichen EZB-Sitzung


16.06.22 09:30
Janus Henderson Investors

London (www.anleihencheck.de) - Es ist eine etwas merkwürdige Situation, wenn am Donnerstag das Ende des Ankaufsprogramms angekündigt wird und sechs Tage später eine Krisensitzung stattfindet, auf der die EZB ein Instrument (flexible Reinvestitionen des PEPP) ankündigt, das sie bereits wiederholt angekündigt hatte (siehe die letzte Erklärung der EZB), und ein noch zu entwickelndes Anti-Fragmentierungsinstrument verspricht, so Andrew Mulliner, Portfolio Manager bei Janus Henderson Investors.

Damit werde das Paradoxon deutlich, mit dem die EZB konfrontiert sei: Sie lege einen einheitlichen Leitzins fest, der für eine Gruppe recht heterogener Länder geeignet sei.

Die Reaktion der Märkte werde für sie eine Erleichterung sein. Die EZB müsse jedoch das Anti-Fragmentierungsinstrument relativ schnell umsetzen, wenn sie an einer hawkishen Zinsprognose festhalten wolle. In Wirklichkeit eigne sich ein Anti-Fragmentierungsinstrument viel weniger für eine straffere als für eine lockerere Politik. Die einzige andere Situation, in der die EZB die Spreads habe begrenzen müssen, sei in einem Umfeld gewesen, in dem sie die Politik habe beibehalten oder lockern wollen.

Es wäre ein wenig überraschend, wenn der Markt nicht versuchen würde, die EZB weiter zu testen. (Ausgabe vom 15.06.2022) (16.06.2022/alc/a/a)