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Könnten die Märkte vom strengen Kurs der FED am Ende sogar profitieren?


09.09.22 12:15
LYNX Broker

Berlin (www.anleihencheck.de) - Nachdem zu Beginn der steigenden Inflation Vorwürfe laut wurden, die US-Zentralbank würde nicht konsequent genug auf die steigenden Preise reagieren, geht jetzt die Angst um, die FED könnte der Wirtschaft und damit den Börsenkursen durch ihren strengen Kurs ernsthaften Schaden zufügen, so Sascha Sadowski, Marktexperte vom Online-Broker LYNX.

Doch so düster sehe Sascha Sadowski die Situation nicht - im Gegenteil, denn langfristig könnten die Aktienmärkte sogar profitieren. "Die FED tut derzeit genau das, was ihr Job ist. Sie versucht über einen höheren Leitzins die Inflation zu senken. Um dieses Ziel zu erreichen, wird sie die Zinsen nicht direkt wieder senken, solange nicht klar ist, dass die Preise sich tatsächlich nachhaltig stabilisiert haben", so der Experte. "Die Rekordinflation im Juni mit 9,1 Prozent war dabei tatsächlich ein Warnschuss, den die FED nicht ungehört verhallen lassen konnte - auch wenn die Aktienmärkte negativ auf die weiter steigenden Zinsen reagieren."

Tatsächlich würden Marktteilnehmer bereits von einem der schlechtesten Aktien-Jahre seit Jahrzehnten sprechen. Der S&P 500 habe in diesem Jahr bereits mehr als 17 Prozent seines Wertes verloren und die Energiekrise in Europa sowie die Erwartung weiterer Zinssteigerungen könnten den Abwärtstrend noch verstärken. Doch für eine stabilere Zukunft halte Sadowski die jetzige strikte Position der FED für fast unumgänglich.

"Würde die Inflation auf ihrem derzeitigen Niveau bleiben, könnte das auf lange Sicht die US-Wirtschaft nachhaltig schädigen, da nicht nur Verbraucher, sondern auch Unternehmen unter den hohen Preisen leiden. Würde man nun über niedrige Zinsen weiter Geld in die Wirtschaft pumpen, würden viele Unternehmen, die eigentlich schon längst nicht mehr rentabel sind, einfach weitermachen wie bisher. Es entstünden Zombie-Unternehmen, die nur noch durch immer größere Schulden am Leben gehalten werden - bis die Blase irgendwann platzt", führe Sadowski aus.

Seiner Meinung nach müsse die FED ihre strenge Geldpolitik noch einige Monate aufrechterhalten, um diese Entwicklung zu verhindern. "Noch ist die Inflationsrate deutlich zu hoch, um über einen Kurwechsel nachzudenken. Hält die FED jetzt durch, könnte die Inflation in den USA in einem Jahr bei nur noch vier Prozent oder sogar darunter liegen. Dann wäre auch eine schrittweise Absenkung des Leitzinses wieder denkbar - und wenn es dann soweit ist, dürfte das auch die Aktienmärkte wieder beflügeln. Bis dahin gilt es für Anleger durchzuhalten." (09.09.2022/alc/a/a)