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Japanische Geldpolitik: Auf der Suche nach Tauben in einer Welt voller Falken


07.09.22 13:31
State Street Global Advisors

Boston (www.anleihencheck.de) - Die Rede des Vorsitzenden der US-Notenbank (FED), Jerome Powell, auf dem Jackson Hole-Symposium zerstörte rasch alle Hoffnungen, dass die FED in den kommenden Monaten zu einer lockeren Haltung übergehen würde, so die Experten von State Street Global Advisors in ihrem aktuellen "SPDR Strategie Espresso".

Infolgedessen hätten die US-Aktienmärkte die Anfang August verzeichneten Gewinne schnell wieder abgegeben. In Europa warte man derweil auf eine mögliche Zinserhöhung um 75 Basispunkte durch die EZB. Die politischen Entscheidungsträger seien fest entschlossen, die Inflation zu bekämpfen, was die Stimmung an den Märkten gedämpft habe. Daher seien die Experten von State Street Global Advisors der Meinung, dass Anleger nach Regionen Ausschau halten sollten, die weniger von den Herausforderungen der steigenden Preisen und der Straffung der Geldpolitik betroffen seien.

Die japanische Inflationsresistenz, gemessen am Verbraucherpreisindex, sei in diesem Jahr bisher bemerkenswert gewesen. Wirtschaftswissenschaftler würden einen durchschnittlichen Verbraucherpreisindex von 2,0% erwarten, was deutlich unter den für Europa und die USA erwarteten hohen einstelligen Zahlen liege. Die niedrige Inflation erlaube es der Bank of Japan (BoJ), ihren dovishen Kurs beizubehalten und die Leitzinsen bei 0% zu belassen. Dieses Szenario ermögliche den Unternehmen den Zugang zu günstigen Finanzierungen und unterstütze die Aktienbewertungen, die trotz der relativen Outperformance in diesem Jahr mit einer 12-Monats-Gewinnrendite von 8,2% nach wie vor anspruchslos seien.

Der abweichende Ansatz der BoJ habe zu einer starken Abwertung des Japanischen Yen geführt, der gegenüber dem US-Dollar auf einem Zwei-Dekaden-Tief notiere. Obwohl die Währung immer ein zweischneidiges Schwert sei, würden die Experten von State Street Global Advisors weiterhin davon ausgehen, dass ein schwacher Yen ein unterstützender Faktor sein werde, da fast 50% der Einnahmen der Unternehmen im MSCI Japan aus dem Ausland stammen würden. In diesem Umfeld könnten Unternehmen, die auf US-Dollar lautende Verträge abschließen würden, bereits bei den Erträgen profitieren. Während globale Unternehmen, die ihre Erträge und Kosten in Fremdwährungen erwirtschaften würden, bei der Umrechnung ihrer Gewinne in einen schwächeren Yen einen positiven Effekt verzeichnen dürften. Die negative Auswirkung einer abgewerteten Währung auf die lokale Nachfrage werde durch die Steuerausgaben des Rekord-Staatshaushalts von 107,6 Billionen JPY gemildert.

Die allmähliche Lockerung der COVID-Beschränkungen habe es Japan ermöglicht, weiter von einer gewissen Wiedereröffnungsdynamik zu profitieren, insbesondere im Tourismus, was sich auch bis zu einem gewissen Grad auf den Dienstleistungssektor im Allgemeinen auswirken könnte. Und der schwache Yen mache Japan sicherlich zu einem interessanten Ziel für Touristen und Investoren gleichermaßen. (07.09.2022/alc/a/a)