Ist der geldpolitische Zinsgipfel tatsächlich erreicht?


18.11.22 13:50
Helaba

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Leichte Zweifel, ob der geldpolitische Zinsgipfel tatsächlich erreicht ist, lösten nach einer Phase der Zuversicht nun wieder Verunsicherung unter den Anlegern aus, so die Analysten der Helaba.

Mitglieder der US-Notenbank FED hätten der Rally an der Wall-Street ein Ende bereitet. Chefs der regionalen US-Notenbanken hätten erneut die Notwendigkeit einer Rezession hervorgehoben, um die Inflation nachhaltig zu reduzieren. Gleichzeitig sei ein Leitzins zwischen 5% und 7% ins Spiel gebracht worden. Sofern diese falkenhafte Rhetorik auch den Zweck gehabt habe, dass die Anleger nicht übermütig würden, so sei das gelungen. Der Dow Jones (ISIN: US2605661048, WKN: 969420) habe den Rückwärtsgang eingelegt, der marktbreitere S&P 500 (ISIN: US78378X1072, WKN: A0AET0) habe auf Wochensicht über 1% verloren. Darüber hinaus hätten aber auch die Unternehmensergebnisse belastet, insbesondere die Zahlen aus dem Einzelhandel. Sie hätten die Sorge geschürt, dass dem amerikanischen Konsumenten im wichtigen Weihnachtsgeschäft die Puste ausgehen könnte. Die Berichtswoche dürfte davon geprägt sein, ob die Amerikaner nach den hohen Kosten für ihr Thanksgiving-Essen noch Mittel hätten, mit dem sogenannten BlackFriday die Weihnachtskaufsaison zu eröffnen. Die Frage nach einer Jahresendrally an den Aktienmärkten dürfte damit ebenfalls eingeläutet werden.

Dagegen scheine die Rally an den Rentenmärkten auszulaufen. Zwar hätten die Renditen der 10-jährigen US-Treasuries im vergangenen Monat in der Spitze mit gut 60 Basispunkten deutlich nachgegeben, weitere Kursgewinne seien schon angesichts des Zinsniveaus wenig wahrscheinlich. Selbst Bundesanleihen hätten nicht mithalten können, so dass der engere Zinsspread dem Euro-Dollar-Kurs wieder über die Parität verholfen habe. Dennoch gebe es auch im Euroraum Unsicherheit über die weiteren geldpolitischen Maßnahmen. In der Berichtswoche könnten geldpolitische Impulse von den europäischen Einkaufsmanagerumfragen sowie dem deutschen ifo Geschäftsklimaindex ausgehen. Sollten sich die bestehenden Rezessionssignale, die von diesen Frühindikatoren gesendet würden, entschärfen, bestehe für die EZB weiter Handlungsdruck. Insgesamt bleibe das fundamentale Umfeld herausfordernd, für Anleger ebenso wie für die Geldpolitiker. Der Drahtseilakt zwischen Inflation und Stagnation/Rezession werde sich fortsetzen. 2023 werde davon geprägt sein. (18.11.2022/alc/a/a)




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