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Investoren könnten von der FED enttäuscht werden


25.11.22 12:37
BlueBay Asset Management

London (www.anleihencheck.de) - Aufgrund der US-Feiertage zu Thanksgiving und des Beginns der Fußballweltmeisterschaft war es am Kapitalmarkt in der vergangenen Woche relativ ruhig, so Mark Dowding, Chief Investment Officer bei BlueBay Asset Management.

Die Stimmung sei jedoch durch das positive Protokoll des Offenmarktausschusses (FOMC) der US-Notenbank FED aufgehellt worden. Dieses habe die Ansicht untermauert, dass sich der Zinserhöhungszyklus im Dezember verlangsamen werde.

Die am VIX-Index gemessene Volatilität sei seit Oktober rückläufig und liege nun wieder auf dem durchschnittlichen Niveau der vergangenen fünf Jahre. In der Zwischenzeit sei der VVIX, der die Volatilität der Volatilität messe, auf ein Siebenjahrestief gesunken. Alles in allem habe dies dazu beigetragen, die Preisentwicklung bei Risikoanlagen zu unterstützen.

Die Marktteilnehmer könnten vor diesem Hintergrund zu dem Schluss kommen, dass der Kampf gegen die Inflation gewonnen sei und sowohl die makroökonomische als auch geopolitische Unsicherheit nachlassen würden. Die Zuversicht wachse, dass die FED ihren Straffungszyklus bis zum Ende des ersten Quartals 2023 beendet haben werde, da der Verbraucherpreisindex sinke und sich das Wachstum verlangsame.

BlueBay Asset Management sei jedoch besorgt, dass der Ausblick auf eine weniger restriktive Geldpolitik verfrüht eingepreist worden sei. Die finanziellen Bedingungen seien deutlich entspannter als vor der letzten FED-Sitzung, bei der die Währungshüter die Zinsen um 75 Basispunkte angehoben hätten. Daher bestehe das Risiko, dass die Investoren vom FOMC enttäuscht werden könnten.

Statistisch gesehen dürfte es nicht allzu sehr überraschen, wenn der US-Arbeitsmarktbericht in der kommenden Woche fest bleibe: Die Nachfrage nach Arbeitskräften sei weiterhin hoch, wie aus den JOLTS-Daten (Job Openings and Labor Turnover) hervorgehe. Die Entlassungen in Bereichen wie der Technologiebranche schienen sich aber zu beschleunigen und der Arbeitsmarkt sich abzukühlen. Das dürfte sich jedoch erst in einigen Monaten in den Daten niederschlagen.

Die Marktteilnehmer würden vor dem Hintergrund der jüngsten Inflationsdaten auf eine Verbesserung des Inflationstrends setzen. Da der US-Verbraucherpreisindex für November jedoch erst Mitte Dezember und damit nur zwei Tage vor der letzten FOMC-Sitzung des Jahres veröffentlicht werde, könnte es bei einer negativen Überraschung zu erneuter Volatilität kommen.

Mit Blick auf die Renditeaussichten für festverzinsliche Wertpapiere im Jahr 2023 herrsche eine gewisse Zuversicht. Bei US-Zinsen von rund 4,5 Prozent könnten Investment-Grade-Anlagen im kommenden Jahr auf US-Dollar-gesicherter Basis durchaus Renditen von 7 bis 8 Prozent erzielen. Bei höher verzinslichen Anleihen bestehe Spielraum für zweistellige Renditen, wenn die negativen Auswirkungen steigender Ausfallraten vermieden werden könnten.

Doch die Märkte würden sich nicht geradlinig bewegen. In den vergangenen Jahren habe BlueBay Asset Management gelernt, wie schwierig der Aufbau einer Strategie basierend auf einem 12-Monats-Ausblick sei. Daher nutze man weiter Gelegenheiten, bei denen man ein asymmetrischeres Renditeprofil sehe - und kaufe bei Schwäche und verkaufe bei Stärke. (25.11.2022/alc/a/a)