Inflationszahlen lösen Turbulenzen aus


15.09.22 13:00
Hamburg Commercial Bank

Hamburg (www.anleihencheck.de) - Die Inflationszahlen aus den USA vom Dienstag (13.09.) haben sowohl an den Renten- als auch an den Aktienmärkten zu kräftigen Kursverlusten geführt, so die Analysten der Hamburg Commercial Bank.

Bei den zehnjährigen T-Notes sei es spiegelbildlich zu den Kursverlusten zu einem Sprung der Renditen auf 3,45% gekommen, während der breit angelegte S&P 500 um 4,3% nachgegeben habe - der höchste Tagesverlust seit Juni 2020. Hintergrund sei vor allem gewesen, dass die CPI Kernrate der USA stärker als erwartet gestiegen sei (auf 6,3% YoY), während die Gesamtinflationsrate weniger stark nachgegeben habe als erwartet (auf 8,3% statt der erwarteten 8,1%). Vor diesem Hintergrund hätten sich die Markterwartungen hinsichtlich der nächsten Zinsanhebung durch die FED - sie tage nächste Woche am 20. und 21. September - verschoben. 27% würden demgemäß eine Zinsanhebung von 100 Basispunkten (zeitweise habe diese Zahl sogar bei 37% gelegen) erwarten, zuvor sei niemand von diesem Szenario ausgegangen. Gleichzeitig werde der Möglichkeit, dass es nur zu einem Zinsschritt von 50 BP kommen könnte, eine Wahrscheinlichkeit von null zugerechnet.

In jedem Fall stehe die FED unter Druck. Die Inflationsbekämpfung stehe für Notenbankchef Jerome Powell und seine Kollegen an oberster Stelle, auch wenn dies mit einer Verschlechterung der Lage am Arbeitsmarkt einherginge, der sich bislang allerdings als erstaunlich robust erweise. Gleichzeitig müsse man feststellen, dass die Inflationsrate derzeit von einem Faktor besonders angetrieben werde, der sich eigentlich relativ träge verhalte. Das sei die so genannte home owners equivalent rent (Miete, die Hausbesitzer hypothetisch für das von ihnen bewohnte Haus verlangen würden), die um 0,7% MoM gestiegen sei, was angesichts des hohen Gewichts dieser Größe im Inflationswarenkorb den starken Rückgang der Energiepreise teilweise kompensiert habe. Eigentlich würden viele Hochfrequenzindikatoren darauf hinweisen, dass die Teuerungsrate weiter zurückgehen werde, aber die monatlichen Zahlen würden das bislang nur teilweise widerspiegeln. Ganz ausschließen mögen deswegen auch die Analysten der Hamburg Commercial Bank nicht, dass es am kommenden Mittwoch (21.09.) zu einer Zinsanhebung um 100 BP kommt, so dass die FED Funds Rate dann zwischen 3,25% und 3,5% liegen würde.

Letzte Woche habe die EZB ihre Leitzinsen um 75 BP angehoben und klar gemacht, dass dem weitere Schritte in dieser Größenordnung folgen könnten. Weiter habe die EZB ihre Prognosen erneuert und gehe darin immer noch nicht von einer Rezession aus (2023 BIP: 0,9%).

Für Deutschland würden das ifo-Institut in München und das Institut für Weltwirtschaft in Kiel in ihrer Herbstprognose sehr wohl eine Rezession erwarten, die bis zu vier Quartale dauere (ifo-Institut 2023 BIP: -0,7% / IfW Kiel 2023 BIP: -0,3%) und für die Eurozone seien die beiden Institute pessimistischer als die EZB. Derweil sei in die geopolitische Lage in den vergangenen Tagen Bewegung hineingekommen. Die Ukraine habe militärisch unerwartete Geländegewinne erzielen können und die russische Armee dort zum Rückzug gezwungen. Das habe die Fantasie geweckt, die allgemeine Lage könne sich bald entspannen, so dass etwa die Gaspreise daraufhin kräftig gefallen seien. Der große Unsicherheitsfaktor sei natürlich Präsident Putin und seine Reaktion auf diese Entwicklung. Hier scheine alles möglich. Man werde allerdings beobachten müssen, ob die Dynamik bei den militärischen Erfolgen der Ukraine anhalten würden. Dies könnte die Hoffnung auf ein Ende des Konfliktes bzw. den Beginn von Verhandlungen aus einer Position der Stärke heraus (aus der ukrainischen Perspektive) nähren und die allgemeine Stimmungslage an den Finanzmärkten verbessern. Rezessionsängste könnten zurückgehen und die Renditen würden vermutlich weiter steigen.

Ende nächster Woche seien allgemeine Wahlen in Italien (25.09.). Die Umfragen würden dafür sprechen, dass das rechtspopulistische Bündnis aus Fratelli di Italia, Forza Italia und Lega eine Regierung bilden würden. Die Auswirkungen auf die Risikoaufschläge auf italienische Anleihen würden von dem Wahlergebnis selber ab sowie auf die Äußerungen der künftig Verantwortlichen in Bezug auf Haushalts- und Europapolitik hängen. Datenseitig sei morgen (16.09.) auf zahlreichen Konjunkturdaten aus China zu achten (Einzelhandel, Industrieproduktion, Wohnungsbausektor, alles für August). Nächste Woche liege der Fokus unter anderem auf dem Auftragsbestand der Industrie in Deutschland, der sich leicht zurückgebildet habe (19.09., Juli). Außerdem sollte man die Schnellschätzungen der PMI-Indices für eine ganze Reihe von Industrieländern im Auge behalten und schauen, ob sich der globale Abschwung verbreitere (23.09., September). (15.09.2022/alc/a/a)






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