Inflationszahlen der Eurozone: Wächst die Rezessionsgefahr?


18.01.23 11:38
Janus Henderson Investors

London (www.anleihencheck.de) - Die europäische Verbraucherpreisinflation (VPI) blieb mit gerundeten 9,2% im Jahresvergleich gegenüber dem Vormonat unverändert und entsprach damit den Erwartungen, so Robert Schramm-Fuchs, Portfolio Manager von Janus Henderson Investors

Die Veränderung gegenüber dem Vormonat sei mit -0,4% etwas besser ausgefallen als vom Konsens erwartet. Natürlich sei die tatsächliche Inflationsrate immer noch weit von der Zielvorgabe der Europäischen Zentralbank (EZB) von 2% entfernt, obwohl eine Reihe von Faktoren, insbesondere die drastisch gesunkenen Öl- und Gaspreise, Druck auf die Gesamtinflationsrate ausübe. Selbst ohne Berücksichtigung der Energiekosten liege die Kerninflationsrate immer noch bei 5,2% im Jahresvergleich. Es sollte daher nicht überraschen, wenn die EZB in den kommenden beiden Sitzungen mindestens eine, wenn nicht sogar beide der geplanten weiteren Leitzinserhöhungen um 50 Basispunkte vornehme. Auch in den USA liege die Inflation weiterhin deutlich über dem Zielwert.

Den Zentralbanken würden die makroökonomischen Argumente für die Fortsetzung ihres geldpolitischen Straffungskurses sicher nicht ausgehen. Das nominale Beschäftigungswachstum sei nach wie vor sehr hoch, die Arbeitslosenquoten befänden sich auf einem Rekordtief und das Verhältnis zwischen offenen Stellen und Arbeitssuchenden sei weiterhin rekordverdächtig hoch. Folglich nehme die Lohninflation immer mehr zu. Man denke nur an die massiven Streikwellen im Dienstleistungssektor in Großbritannien oder die immer anspruchsvolleren Forderungen der deutschen Gewerkschaften nach Lohnerhöhungen.

Um den Beginn einer Lohn-Preis-Spirale zu stoppen, würden die Zentralbanken wahrscheinlich eine Rezession in Kauf nehmen. Die jüngsten Hoffnungen der Aktienmärkte auf eine sanfte Landung und die Vermeidung einer Rezession könnten sich als unangebracht erweisen. Die Risiken einer tieferen und längeren Rezession nähmen täglich zu, da sich die Schäden einer scharfen geldpolitischen Straffung mit der üblichen Verzögerung von bis zu einem Jahr bereits verfestigt hätten und jeder weitere Zinsschritt die wirtschaftlichen Probleme auf dem Weg dorthin nur noch verstärke. (18.01.2023/alc/a/a)




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