Inflationswelle ebbt ab: Jetzt wachsam sein - Importpreise signalisieren Entspannung


04.11.22 15:08
BNP Paribas

Paris (www.anleihencheck.de) - Pünktlich zu Allerheiligen, am 1. November, gab es vom Statistischen Bundesamt ein kleines Geschenk, so die Analysten der BNP Paribas in ihrer aktuellen Ausgabe von "Märkte & Zertifikate weekly".

Eines, das leider im täglichen Nachrichtenfluss untergegangen sei, aber dennoch von großer Bedeutung sein könnte. Es seien nämlich die Entwicklungen der Importpreise im September bekannt gegeben worden. Und die würden eine Entspannung signalisieren. Im Vergleich zum Vormonat, also zum August, seien sie nämlich um 0,9 Prozent gefallen. Natürlich bleibe die Inflation hoch, das sehe man, wenn man die Werte zum Vorjahresmonat nehme, da liege der Preiszuwachs bei knapp 30 Prozent, aber es könnte sich dennoch eine Trendwende andeuten. Das erkenne man auch an den Energiepreisen, die für einen großen Teil der Inflation verantwortlich seien. Erdgas zum Beispiel habe im September zwar rund dreieinhalbmal so viel wie im September 2021 gekostet, aber etwa drei Prozent weniger als im August 2022. Noch deutlicher die Bewegung bei Strom. Der habe im September rund 170 Prozent mehr als im September 2021 gekostet, aber im Schnitt 25 Prozent weniger als im August 2022.

Die jüngsten Rückgänge würden zeigen: Die Inflationswelle sei noch nicht vorbei, aber sie ebbe möglicherweise ab. Natürlich müsse man mit solchen Aussagen vorsichtig sein, aber das sollten die Experten, die von einer kommenden Hyperinflation sprächen, eigentlich auch sein. Seien sie aber nicht, sie würden Untergangsstimmung verbreiten, von der völligen Entwertung des Geldes reden und so weiter. Dabei würden sie vergessen, dass es die "eine" Inflation gar nicht gebe. Es gebe viele Spielarten der Geldentwertung, von "schleichend" bis "trabend", von "galoppierend" bis "hyper". Die Notenbanken möchten sogar Inflation, zwei Prozent seien "gesund", würden sie sagen. Eine gesunde Inflation sei auch gut für den Aktienmarkt - also kein Grund für Untergangsstimmung.

Es komme für den Anleger nun darauf an, die Inflationssignale zu verstehen und dann im richtigen Moment zu investieren. Denn wenn sich die Inflation rückläufig entwickele, seien am Aktienmarkt die größten Gewinne zu erwarten. (04.11.2022/alc/a/a)