Inflationssteigerung und Wachstumsverlangsamung: Anleihestrategie im Fokus


08.06.22 11:17
La Française AM

Frankfurt am Main (www.anleihencheck.de) - Infolge des allgemeinen Ausverkaufs an den Kapitalmärkten sind die Renditen und Spreads in den meisten Fixed Income-Segmenten wieder auf ein höheres Niveau zurückgekehrt, so Jérémie Boudinet, Credit Portfolio Manager bei La Française Asset Management.

Dennoch sei die Unsicherheit und die Volatilität bei Zinsen und Aktien derzeit noch zu hoch, was bei den Marktteilnehmer dazu führe, dass sie eher bei kurzlaufenden Anleihen zugreifen würden. Die Experten würden bei ihrer Strategie bleiben und in qualitativ hochwertige Unternehmens- und die liquidesten Anleihen investieren. Nachrangige Anleihen mit sehr kurzen Fälligkeitsterminen würden die Experten meiden, da das Prolongationsrisiko in letzter Zeit stark zugenommen habe.

Die Experten hätten im Jahresverlauf eine Verschlechterung der Anleihenliquidität und volatile Kapitalströme in die Kreditsegmente beobachtet (bisher überwiegend Abflüsse). Deshalb hätten sie ihren Liquiditätspuffer in den Portfolios erhöht und gleichzeitig die Ratingkategorie etwas angehoben. Insgesamt bevorzuge ihr Credit-Team Anleihen mit BBB- und BB-Rating, nachrangig oder nicht, mit Laufzeiten und Fälligkeiten zwischen 2024 und 2027, da sie in der Regel von historisch hohen Spreads und einem moderaten Durationsrisiko profitieren würden.

Die Experten hätten eine deutliche Neubewertung aller Anleihen in den Segmenten für Nachranganleihen erlebt, und das Risiko der Non-Calls habe sich deutlich erhöht. Die Experten seien es gewohnt, sich mit diesem Problem bei Additional Tier 1 CoCos zu befassen, aber viel weniger bei Tier 2 Bankanleihen, wo zum Beispiel eine deutsche Bank, die Deutsche Pfandbriefbank, am 24. Mai angekündigt habe, dass sie eine Tier 2 Anleihe nicht abrufen würde. Dieses für dieses Segment in Europa seltene Ereignis sei ein Beweis dafür, dass die Bewertung nachrangiger Anleihen zu ihren Fälligkeitsterminen nur bedingt möglich sei und auch auf Renditebasis bis zur Fälligkeit/Perpetuität bewertet werden sollte.

Daher würden die Experten im Moment zwei Segmente favorisieren: Additional-Tier-1-Anleihen mit hohen Kupons und Non-Financial Corporate Hybrids. Sie würden glauben, dass diese Segmente eine gute Mischung aus hohen Renditen und Spreads sowohl auf Abruf- als auch auf Perpetuität bieten würden, zusammen mit sehr stabilen Fundamentaldaten und höheren Anreizen, diese Anleihen im Durchschnitt abzurufen.

Nachrangige Anleihen dürften weiterhin von den soliden Fundamentaldaten ihrer Emittenten profitieren. Die Anleger dürften allerdings nur bei geringerer Zins- und Aktienvolatilität wieder einsteigen. Wir werden die Quartalsergebnisse der Unternehmen in Europa und den USA und deren Auswirkungen auf die Marktbewertungen genau beobachten, um zu bewerten, wie schnell unsere Volkswirtschaften in die Rezession zurückfallen werden, so die Experten von La Française Asset Management. Nachrangige Anleihen würden nach Meinung der Experten bereits auf "Rezessionsniveau" gehandelt. Sie würden jedoch noch nicht das Risiko erhöhen, da sie eventuell zunächst unter der importierten Volatilität an den Aktienmärkten leiden würden. Mit anderen Worten: Die Experten würden bis September defensiv bleiben.

Sollte sich die Lage an den Aktienmärkten und in der Weltwirtschaft verschlechtern, könnten die Experten von den Zuflüssen profitieren, die wieder in die Rentenmärkte fließen würden, sowie von der eher zurückhaltenden Politik der Zentralbanken. Zusammen mit den hohen Carry-Levels in den Segmenten der Experten könnte dies der Beginn einer Marktstabilisierung mit einigen leichten Anstiegen sein. (08.06.2022/alc/a/a)