Inflationssorgen dominieren wieder


06.06.22 09:15
Union Investment

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - In den letzten Handelswochen bestimmten Konjunktursorgen das Marktgeschehen, so die Experten von Union Investment.

Anleger hätten vor allem in den USA einen Rückgang der Konsumausgaben befürchtet. Dadurch sei die Sorge vor womöglich weiter steigenden Preisen in den Hintergrund gedrängt worden. In den vergangenen Tagen seien einige Wirtschaftsdaten besser als erwartet ausgefallen. So sei der US-Einkaufsmanagerindex (ISM) im Mai von zuvor 55,4 auf 56,1 Punkte angestiegen. Im Vorfeld hätten Analysten mit einem Rückgang auf 54,5 Zähler gerechnet. Der regelmäßig vor einer US-Notenbanksitzung veröffentlichte Konjunkturbericht - Beige Book - habe allerdings größere regionale Unterschiede aufgezeigt. In einigen US-Bundesstaaten falle das Wachstum nur noch moderat aus. Einige Firmen würden auch von ersten Einstellungsstopps berichten. Hieran dürften allerdings auch die hohen Lohnkosten einen Anteil haben. In Summe lasse sich sagen, dass die US-Wirtschaftskraft weiter an Dynamik verlieren dürfte. Ein Einbruch sei aber nicht auszumachen. Für Rückenwind sorge weiterhin der feste Arbeitsmarkt. Im Mai sei ein Stellenaufbau in Höhe von 390.000 vermeldet worden, erwartet gewesen seien nur 318.000 neue Jobs. Der Lohndruck habe dabei etwas nachgelassen.

Frühindikatoren in China würden wieder anziehen

Auch in China seien die Einkaufsmanagerindizes veröffentlicht worden. Diese hätten zwar erneut unterhalb der Wachstumsschwelle von 50 Zählern gelegen, hätten sich aber deutlich gegenüber dem Vormonat verbessern können. In der Metropole Shanghai seien zudem die Corona-Beschränkungen nun aufgehoben worden und damit habe auch der weltgrößte Hafen wieder seinen Betrieb aufnehmen können. Hoffnungen gebe es auch in Zusammenhang mit einem möglichen chinesischen Medikament gegen das Corona-Virus. Darüber hinaus sei die Wirtschaftsdebatte fortgeführt worden. Ministerpräsident Li Keqiang fordere daher weitere Maßnahmen, denen sich Parteichef Xi Jinping wohl nicht länger verschließen können dürfte. Im Oktober stünden Wahlen an, darüber hinaus wachse der Druck aufgrund einer hohen Jugendarbeitslosigkeit und einem möglichen Prestigeverlust, wenn das Wachstum geringer ausfallen sollte als das der USA.

Preisdruck im Euroraum sei weiterhin sehr hoch

Im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit in dieser Handelswoche seien jedoch die Inflationsdaten für Mai gestanden. Wie nicht anders zu erwarten gewesen seien, habe der Preisdruck erneut stark zugenommen. Haupttreiber seien weiterhin die hohen Energiekosten. In Deutschland habe die Inflationsrate im Mai bei 7,9 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat gelegen. Ähnlich hohe Preissteigerungen habe es in Deutschland in der Nachkriegszeit nur während der Ölkrise in den 70er Jahren gegeben. Hohe Zuwächse habe es auch in anderen Ländern wie Spanien gegeben. Im gesamten Euroraum seien die Preise sogar um 8,1 Prozent gestiegen.

Vorerst sei nicht mit einer Kehrtwende zu rechnen. Das Angebot an Rohöl bleibe wegen des Krieges in der Ukraine knapp. Zudem habe sich die Europäische Union darauf verständigt, kein russisches Öl mehr zu importieren, das auf dem Seeweg verschifft werde. Ein noch wirkungsvolleres Ölembargo, dass auch die Versorgung über Pipelines mit eingeschlossen hätte, sei am Veto der ungarischen Regierung gescheitert. Doch der Kurs sei klar, die EU-Staaten wollten unabhängiger von russischen Energielieferungen werden. Dies erhöhe jedoch die Nachfrage nach Öl aus anderen Ländern. Zu den hohen Energiepreisen kämen noch immer angespannte Lieferketten hinzu, auch wenn sich die Situation hier schon etwas gebessert habe. Viele Firmen würden sich aber erheblichen Kostensteigerungen bei ihren Vorprodukten gegenübersehene. So seien die Erzeugerpreise in Deutschland zuletzt um rekordhohe 33,5 Prozent angestiegen. Zumindest einen Teil dieser Kosten würden die Produzenten wohl an die Verbraucher weitergeben müssen und damit würden dann die Preise auch in der Breite ansteigen.

Deutsche Exportzahlen seien ein Spiegelbild der wirtschaftlichen Lage

Das Rückgrat der deutschen Wirtschaft sei der Export. Zuletzt habe hier ein erfreulicher Zuwachs von 4,4 Prozent im Vergleich zum Vormonat verbucht werden können. Schaue man sich die Daten zu den einzelnen Ländern an, dann werde schnell klar, in welcher Verfassung sich die Handelspartner befinden würden. In die wirtschaftlich starken Vereinigten Staaten von Amerika seien acht Prozent mehr exportiert worden. Dagegen seien die Ausfuhren ins schwächelnde China um 4,5 Prozent zurückgegangen. Den größten Einbruch habe es in Russland gegeben. Nachdem die Exporte schon im Vormonat um 60 Prozent abgenommen hätten, seien diese zuletzt nochmals um zehn Prozent zurückgegangen. (Marktrückblick und -ausblick KW22) (06.06.2022/alc/a/a)





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