Inflationsdynamiken werden auf beiden Seiten des Atlantiks 2023 von besonderem Interesse sein


05.01.23 15:24
Raiffeisen Bank International AG

Wien (www.anleihencheck.de) - Die in dieser Woche erschienenen finalen PMI Zahlen für die Eurozone konnten den Eindruck einer sich aufhellenden ökonomischen Stimmungslage bestätigen, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG.

Dies gelte für das Verarbeitende Gewerbe und den Dienstleistungssektor gleichermaßen. Hinsichtlich beider Sparten hätten die wichtigsten Nationen sowie die Eurozone in ihrer Gesamtheit Anstiege verbuchen können. Zwar lägen die angesprochenen Stimmungsbarometer trotz dieser positiven Entwicklung immer noch zum größten Teil unter der entscheidenden 50-Punkte Linie und damit im schrumpfenden Bereich, allerdings sei eine (zumindest vorübergehende) Erholung nun klar erkennbar. Dies könnte implizieren, dass die befürchtete Rezession innerhalb des Euroraumes möglicherweise schwächer ausfalle als initial angenommen.

In den USA zeichne sich indessen ein anderes Bild ab. Hier sei der ebenfalls diese Woche publizierte ISM für das Verarbeitende Gewerbe von 49 Punkten auf 48,4 Punkte gefallen und befinde sich somit nun klar in abnehmendem Gebiet. Hinsichtlich des ISM für das Nicht-Verarbeitende Gewerbe, welcher am Freitag erscheinen werde, würden Schätzungen ebenfalls von einer Verschlechterung ausgehen, allerdings liege dieser Index noch relativ weit über der 50-Punkte Grenze. Weitere wichtige Rückschlüsse auf den Zustand der US-Ökonomie werde auch der ebenfalls am Freitag erscheinende Arbeitsmarktbericht erlauben. Hier werde der Fokus zum wiederholten Male auf der Lohnentwicklung liegen, da diese Informationen über die Enge des Arbeitsmarktes einerseits und die lohngetriebene Inflationsentwicklung andererseits liefern könne.

Generell würden die Inflationsdynamiken auf beiden Seiten des Atlantiks auch im Jahr 2023 von besonderem Interesse sein. In der Eurozone werde es diesbezüglich schon in dieser Woche das erste Mal spannend, da am Freitag die Dezember-Schnellschätzung der Inflation (HVPI) für den Währungsraum publiziert werde. Diese Schätzung dürfte eine Mischung aus guten und schlechten Nachrichten bringen. Eine gute Nachricht dürfte sein, dass die Gesamtinflationsrate laut Prognosen recht deutlich auf 9,7% im Jahresvergleich zurückgehen sollte (ausgehend von 10,1% im November und 10,6% im Oktober).

Des Weiteren sollte die Inflationsdynamik der Lebensmittelpreise ein Plateau erreicht haben und in der Monatsbetrachtung nahe bei null liegen, was nahelegen würde, dass der Lebensmittelpreisschock nun fast vollständig auf die Verbraucherpreise durchgeschlagen haben dürfte. Zu guter Letzt seien auch die Kraftstoffpreise im Dezember recht deutlich gesunken, somit sei auch eine Reduktion der Energieinflation zu erwarten. Die schlechte Nachricht sei, dass der Rückgang der Gesamtinflation durch den Ausgleich der Energierechnungen deutscher Haushalte durch die entsprechende Bundesregierung beeinflusst werde, eine einmalige Maßnahme, welche keinen Einfluss auf den zugrundliegenden Inflationsdruck habe.

Außerdem sei zu erwarten, dass der Kerninflationsdruck weiter ansteigen werde (was die eben beschriebenen positiven Nachrichten zu einem gewissen Grad konterkarieren würde). Die Analysten würden erwarten, dass die Kerninflation im Dezember auf 5,1% im Jahresvergleich steigen werde, gegenüber 5,0% im November.

Der Dezember-Verbraucherpreisindex (CPI) für die USA erscheine nächste Woche. Nachdem sich der Preisauftrieb über die letzten Monate etwas abgeschwächt habe, bleibe abzuwarten, ob sich dieser Trend fortsetze, oder ob es zu einer negativen Überraschung komme. Entscheidend würden hierbei einerseits die Energiepreise sein, deren stetes Sinken einen wesentlichen Anteil an der jüngst beobachtbaren Inflationsabschwächung gehabt habe.

Anderseits werde auch die Entwicklung der Kerndienstleistungen, insbesondere der Mieten, interessante Informationen liefern. Diese hätten nämlich dafür gesorgt, dass die Kerninflation im Vergleich zur Gesamtinflation in der jüngeren Vergangenheit etwas weniger dynamisch abgenommen habe. Obwohl die Richtung der Inflationsentwicklung im Euroraum und den USA also im Großen und Ganzen stimme, sei der Weg bis hin zu einer Normalisierung dennoch weiterhin lang und voller Hindernisse.

Abschließend seien in der kommenden Woche in der Eurozone noch Industriedaten, Arbeitslosigkeit und der Sentix von Interesse. Hinsichtlich der Industrieproduktion würden die Analysten nach dem starken Rückgang im Oktober eine deutliche Erholung für den Monat November erwarten. Des Weiteren würden ihre Schätzungen vermuten lassen, dass sich die Arbeitslosenrate für den Monat November in etwa auf der Höhe des Vormonats Oktober (also 6,5%) einpendeln werde - was ein Auslaufen des zuletzt beobachtbaren Abwärtstrends nahelegen würde.

Beim Sentix, welcher sich jüngst vor dem Hintergrund abnehmender Unsicherheiten stark habe erholen können, würden die Analysten für den Monat Januar nur geringes Potenzial für weitere Aufwärtsbewegungen sehen, ihre Modelle würden einen leichten Anstieg auf -20 Punkte (gegenüber -21 Punkten im Vormonat) nahe legen. (05.01.2023/alc/a/a)






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