Inflationsdruck bleibt vorerst bestehen


21.06.22 11:36
DONNER & REUSCHEL AG

Hamburg (www.anleihencheck.de) - Das Statistische Bundesamt vermeldete für Mai erneut einen Rekordanstieg der Erzeugerpreise um 33,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, so Carsten Mumm, Chefvolkswirt bei der Privatbank DONNER & REUSCHEL AG.

Wie schon erwartet seien die Energiepreise inklusive Gas, Mineralölerzeugnisse und Strom mit einem Plus von 87,1 Prozent der größte Kostentreiber gewesen. Aber auch ohne die Energiekomponenten belaufe sich der Preisanstieg auf 16,5 Prozent - denn auch die Preise für viele Nahrungsmittel, Investitionsgüter und Vorleistungen seien erheblich gestiegen. Der jüngste Tarifabschluss der IG Metall in der Stahlindustrie mit 6,5 Prozent Lohnsteigerung und einer Laufzeit von 18 Monaten sowie die in Aussicht gestellte Forderung für die im Herbst anstehenden Tarifverhandlungen für die Metall- und Elektroindustrie in Höhe von 7 bis 8 Prozent würden verdeutlichen, dass auch vonseiten der Löhne der Kostendruck für Unternehmen erhöht werde. Zumal der Fachkräftemangel einer aktuellen Umfrage der Bundesbank unter deutschen Unternehmen zufolge als drängendstes Problem genannt worden sei, noch vor hohen Produktions- und Arbeitskosten sowie dem mangelnden Zugang zu Vorleistungen. Vor diesem Hintergrund sei fraglich, wie lange Unternehmen die gestiegen Kosten noch an ihre Endkunden durchreichen könnten, wie es in den letzten Quartalen noch weitgehend möglich gewesen sei.

Diese Woche würden auch die Schnellschätzungen der Markit-Einkaufsmanagerindices für Deutschland, die Eurozone und die USA sowie des ifo-Geschäftsklimaindex für Deutschland in den Fokus rücken. Erwartet würden zumeist eine noch gute Lagebeurteilung und eine etwas schwächere, aber immer noch eine künftige Produktionsausweitung anzeigende Bewertung der Geschäftsaussichten. So würden auch die jüngsten Konjunkturschätzungen eine deutliche Beschleunigung der wirtschaftlichen Aktivität im zweiten Halbjahr erwarten lassen - bspw. das ifo-Institut mit einem Wirtschaftswachstum für Deutschland von 2,5 Prozent bzw. das Institut für Weltwirtschaft in Kiel mit einem Plus von 2,1 Prozent, jeweils für das laufende Jahr. Weiterhin bleibe aber bei allen Schätzungen die Unsicherheit außergewöhnlich hoch, vor allem wegen der anhaltenden Corona-Restriktionen in China und den resultierenden Lieferkettenproblemen, den Auswirkungen des Ukraine-Konflikts und der Zinswenden vieler Notenbanken. Trotz generell positiver Perspektiven bestehe somit kurzfristig weiterhin Enttäuschungspotenzial, das auch an den Aktienmärkten im Verlauf des Sommers noch einmal für Belastungen sorgen könne. (21.06.2022/alc/a/a)




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