Inflation länger und höher als bisher angenommen


05.09.22 10:30
fairesearch

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Der anhaltende Krieg in der Ukraine und ein sich ausbreitender Preisdruck könnte die Inflationsraten stärker erhöhen und länger anhalten als bisher angenommen, beschreibt der IWF seine neueste Prognose, so Dr. Eberhardt Unger von "fairesearch".

Im August habe sich der Index der Konsumentenpreise in Deutschland gegenüber dem Vorjahr um 7,9% erhöht, in der Eurozone sei er um 9,1% gestiegen. In den Schwellen- und Entwicklungsländern steige er bereits über 10%.

Für das gesamte Jahr 2022, so Bundesbankpräsident Joachim Nagel, sehen die Analysten von "fairesearch" die Inflationsrate in der europäisch harmonisierten Berechnung in Deutschland bei über acht Prozent. In den kommenden Monaten hätten wir viele Sondereffekte: Der Tankrabatt und das Neun-Euro-Ticket würden auslaufen. Das dürfte die Inflationsrate um gut einen Prozentpunkt erhöhen. Die Gasumlage komme, im Gegenzug solle die Mehrwertsteuer auf Gas gesenkt werden, was wiederum die Preise dämpfe. In Summe sei in den Herbstmonaten sogar eine Inflationsrate von 10 Prozent möglich. Zweistellige Inflationsraten seien in Deutschland das letzte Mal vor über 70 Jahren gemessen worden. Im vierten Quartal 1951 seien es nach den damaligen Berechnungen 11 Prozent gewesen. &ZT/

Die EZB müsse aus Sicht des niederländischen Notenbankchefs Klaas Knot zur Bekämpfung der Inflation womöglich die Zinsen über das Niveau hinaus anheben, bei dem die Konjunktur weder angeschoben noch gebremst werde. Knot habe zudem signalisiert, dass er auf der nächsten EZB-Zinssitzung am 8. September zu einer Erhöhung der Schlüsselzinsen um 0,75 Prozentpunkte neige. Bis vor kurzen sei an den Kapitalmärkten damit gerechnet worden, dass die EZB im September die Zinsen wie im Juli um 0,50 Prozentpunkte anheben werde.

Die Wirtschaftsentwicklung in Deutschland werde laut Bundesbank im Sommerquartal und darüber hinaus von den ungünstigen Entwicklungen am Gasmarkt beeinträchtigt. Die Wahrscheinlichkeit, dass das BIP im kommenden Winterhalbjahr zurückgehe, hat sich daher nach Einschätzung der Bundesbank deutlich erhöhe. Nicht nur Deutschland sei von den gegenwärtigen Problemen betroffen. Klimaschutz, Energieverteuerung und geopolitische Spannungen würden die ganze Weltwirtschaft belasten.

Die derzeitige Konstellation der Einflussfaktoren auf die Finanzmärkte sei nicht günstig für Investitionen. Die Konjunktur beruhige sich stärker als bisher angenommen, die Inflation dauere länger und falle höher aus als bisher prognostiziert, die Zentralbank stehe vor einer Kette von Zinserhöhungen, Geschäftsklima und Konsumklima würden deutlich nachgeben. (Ausgabe vom 04.09.2022) (05.09.2022/alc/a/a)





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