Die Inflation ist immer noch ein weltweites Problem


09.11.22 12:39
fairesearch

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die gegenwärtige Inflationsentwicklung belastet nicht nur die USA und Europa, sie ist ein weltweites Problem, so Dr. Eberhardt Unger von "fairesearch".

Wie die OECD feststelle, seien die Konsumentenpreise in den ersten Wochen und Monaten im Herbst 2022 weiter gestiegen. Das Ausmaß sei allerdings sehr unterschiedlich. Der Anstieg seit dem Frühjahr sei dramatisch steil. Die Erhöhungen der Leitzinsen durch die Notenbanken habe bisher nicht gefruchtet.

In den OECD-Ländern sei der Index der Konsumentenpreise im September gegenüber dem gleichen Vorjahresmonat 10,5% gestiegen. In 19 von 38 OECD-Ländern sei der Anstieg zweistellig. Die höchsten Raten meldeten Estland, Lettland, Litauen, Ungarn und die Türkei (alle über 20%). In den G-7-Ländern liege die Inflation im Durchschnitt bei 7,7%; USA: 8,2%: UK 8,8%. In den G 20-Ländern würden 9,5% gemeldet.

In der Eurozone habe der harmonisierte Index der Konsumentenpreise im Oktober 10,7% erreicht. In Deutschland berichte das Statistische Bundesamt im Oktober von 10,4%. Die den Konsumentenpreisen zeitlich vorauseilenden Preisindices würden noch viel zu schnell steigen, als dass von Ihnen bald eine beruhigende Wirkung ausgehen könnte. So hätten sich in Deutschland die Verbraucherpreise Energie zuletzt um 43,8% und die Verbraucherpreise Nahrungsmittel um 18,7% erhöht.

Die Zentralbanken hätten ihre Leitzinsen überall weiter erhöht, doch die Märkte würden sich fragen, ob dies die Inflation wirklich beruhigen könne. In den USA lägen sie inzwischen bei 4%, in der Eurozone bei 2%, Schweiz 0,5%, Großbritannien 3%. Jede weitere Erhöhung bringe einen zusätzlichen Dämpfer in die ohnehin schon schwächere Konjunktur. Jetzt seien die Regierungen gefragt, das Angebot an Energie zu steigern, damit sich der Hauptantreiber für die Inflation beruhige. Zur gleichzeitigen Reduzierung der Klimaveränderung könnten diese Mittel nur die Erneuerbaren Energien sein, die kein CO2 ausstoßen. Hierzu würden in erster Linie die Solarzellen und die Windenergie zählen. Doch der Ausbau gehe aus technischen Gründen nur langsam voran.

Die Stromerzeugung aus Wind- und Solarenergie in Deutschland falle nach den ersten zehn Monaten des Jahres 2022 deutlich höher aus als im Vorjahreszeitraum. Die Windstromerzeugung erreiche die Marke von 100 Milliarden Kilowattstunden und steuere damit soviel wie keine andere Energiequelle zur Stromversorgung bei.

Die Wind- und Solarstromanlagen hätten von Januar bis Oktober 2022 insgesamt rd. 153,4 Mrd. kWh in die Netze eingespeist. Gegenüber dem Vorjahrszeitraum sei das ein Plus von fast 18 Mrd. kWh bzw. 12,9 % (Jan-Okt 21: 135,9 Mrd. kWh). Das gehe aus einer IWR-Auswertung der Daten der europäischen Netzbetreiber (ENTSO-E) hervor (Datenstand: 04.11.2022). Jetzt würden sich alle Hoffnungen auf die Welt-Klimakonferenz in Ägypten. Doch obwohl mehr als 100 Regierungschefs anwesend seien, dürften die Gesamtergebnisse enttäuschen.

An den Aktienmärkten sei die Kursentwicklung der Hersteller von erneuerbaren Energien bisher hinter allen Hoffnungen zurückgeblieben. Der RENNIXX, der 30 Werte der erneuerbaren Energiewirtschaft umfasse, dümpele am Jahrestiefstand richtungslos dahin. Unter den verschiedenen Arten erneuerbarer Energien könnte der Bereich der Grünen Wasserstofftechnologien gute Chancen bieten.

Disposition: die Festgeldzinsen würden in nächster Zeit weiter steigen. Daraus folgend dürften die Kurse für festverzinsliche Wertpapiere weiter sinken. Am Aktienmarkt würden gegenwärtig monetäre und fundamentale Impulse fehlen. Eine Ausnahme würden die erneuerbaren Energien bieten, allen voran die der Grünen Wasserstofftechnologie. Durch die geopolitischen Turbulenzen würden die Devisenmärkte labil bleiben. Bei den Edelmetallen würden Anleger auf einen bevorstehenden Ausbruch nach oben warten. (09.11.2022/alc/a/a)