Inflation, Rezession und Unternehmensgewinne im Fokus der Marktteilnehmer


13.06.22 12:30
Postbank Research

Bonn (www.anleihencheck.de) - Die drei Sorgen, die die Märkte momentan beschäftigen, liegen auf der Hand: Inflation, Rezession und Unternehmensgewinne, so die Analysten von Postbank Research.

Während die ersten beiden derzeit in aller Munde seien, werde über letztere weniger diskutiert, obwohl die Unternehmensgewinne unmittelbar von der Inflation und vom Wirtschaftswachstum abhängen würden. Das Thema könnte jedoch bald ins Rampenlicht rücken, da die Dynamik der Gewinnrevisionen nachzulassen scheine.

Im letzten Monat hätten die I/B/E/S-Konsensanalysten die Prognosen für den Gewinn je Aktie des S&P 500 um magere 0,1% angehoben. Die Revisionen für das nächste Jahr seien unverändert geblieben und für 2024 seien sie mit -0,5% sogar negativ. Dennoch würden die Konsenserwartungen davon ausgehen, dass der Gewinn je Aktie in diesem Jahr um 10,7%, im nächsten Jahr um 9,6% und im Jahr 2024 um 8,7% steigen dürfte, was deutlich über dem seit 85 Jahren zu beobachtenden Trend von 6,5% liege. Dies scheine möglich, sei aber - gelinde gesagt - optimistisch. Bröckelnde Erträge würden (ceteris paribus) auch die Aktienrisikoprämie (ERP) unter Druck setzen, die sich durch die Differenz zwischen der erwarteten Gewinnrendite und der Rendite zehnjähriger Staatsanleihen ausdrücken lasse. Dieses Maß, das als die erwartete Überrendite interpretiert werden könne, die Anleger fordern würden, um in Aktien statt in risikolose Anleihen zu investieren, betrage derzeit 2,7%. Obwohl dieses Niveau leicht über dem im April erreichten 15-Jahres-Tief von 2,3% liege, sei die ERP fast an jedem Handelstag seit Ende 2007 höher gewesen. Für einen erneuten Rückgang, d.h., damit der S&P 500 bei den aktuellen Gewinnerwartungen und Anleiherenditen wieder nach oben tendiere, bedürfe es wahrscheinlich einer Kombination aus einem klaren Höchststand der Inflationsraten und schwindenden Rezessionsängsten. Noch einmal: Das wäre möglich, sei aber optimistisch!

In Europa sehe die Lage unterdessen besser aus. Die Gewinne würden nach wie vor deutlich angehoben, obwohl sich die Dynamik zugegebenermaßen auch hier verlangsamt habe. Und während die ERP (gegenüber Renditen von Bundesanleihen) kontinuierlich auf den niedrigsten Stand seit Mitte 2014 gefallen sei, liege sie immer noch 13% über dem Durchschnitt seit 2004. Diese Kennzahl spreche also dafür, europäische Aktien gegenüber US-Titeln zu bevorzugen. (13.06.2022/alc/a/a)




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