Indien: Inflationsrückgang spricht für baldiges Ende im Zinserhöhungszyklus


13.01.23 12:00
DekaBank

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die Inflationsrate in Indien ist im November deutlicher als erwartet von 6,8% auf 5,9% gefallen und ging im Dezember weiter auf 5,7% zurück, so die Analysten der DekaBank.

Gleichzeitig seien die Signale aus dem Industriesektor gemischt ausgefallen und der Export habe sich zuletzt eher schwach entwickelt. Vor allem der rückläufige Preisdruck dürfte das Lager der Befürworter einer Beendigung des Leitzinsanhebungszyklus stärken. Dennoch spreche nach Einschätzung der Analysten mehr dafür, dass die Zentralbank auf ihrer Sitzung am 8. Februar den Leitzins von 6,25% auf 6,5% anhebe und erst dann eine Pause einlege. Die Notenbank habe auf ihrer Dezember-Sitzung zwar insbesondere die konjunkturellen Bremswirkungen der schwachen Weltwirtschaft betont, sich aber hinsichtlich der Entwicklung der indischen Wirtschaft noch eher zuversichtlich gezeigt.

Sie dürfte sich durch die starken Einkaufsmanagerindices für Dezember in dieser Sicht bestärkt sehen: Der PMI für das Verarbeitende Gewerbe sei von 55,7 auf 57,8 Punkte gestiegen und der Index für das Dienstleistungsgewerbe habe von 56,4 auf 58,5 Punkte zugelegt. Die Inflationsrate liege zwar nun wieder knapp innerhalb des Zielbands der Notenbank (2 bis 6%), doch sei der Fortschritt nicht so ausgeprägt, als dass hier bereits Entwarnung gegeben werden könnte. Die Notenbank habe im Dezember darauf hingewiesen, dass der Klimawandel und der Krieg in der Ukraine Aufwärtsrisiken für Nahrungsmittel- bzw. Energiepreise bedeuten würden.

Dass der Druck, die Leitzinsen stärker anzuheben, in den vergangenen Wochen abgenommen habe, liege auch an der Stabilisierung des Wechselkurses. Die Indische Rupie habe 2022 rund 10% gegenüber dem US-Dollar eingebüßt. Währungsinterventionen hätten eine noch stärkere Abwertung verhindert, aber auch zu einem Abschmelzen der Währungsreserven um mehr als 100 Mrd. US-Dollar beigetragen. Mittlerweile habe sich der Bestand jedoch wieder um knapp 40 Mrd. US-Dollar auf rund 563 Mrd. im Dezember erholt.

Die Hoffnung, Indien könne zur nächsten großen Wachstumsgeschichte werden, sei in den vergangenen Jahren regelmäßig enttäuscht worden. Angesichts fundamentaler Schwächen erscheinen auch nach der Überwindung der Corona-Krise mittelfristig Raten von deutlich mehr als 7% eher optimistisch, so die Analysten der DekaBank. So gebe es große Mängel in der Infrastruktur, im Bildungswesen und in der öffentlichen Verwaltung. Anders als in früheren Jahren wolle die Regierung nun die Wirtschaft allerdings durch eine expansive Fiskalpolitik stärken.

Der Grenzkonflikt mit China habe das Verhältnis der beiden Länder nachhaltig belastet. Chinesische Unternehmen dürften sich in den kommenden Jahren mit Investitionen in Indien zurückhalten. Indien wolle allerdings grundsätzlich eine klare Parteinahme in den geopolitischen Auseinandersetzungen vermeiden, um nationale Interessen nicht zu gefährden. So halte sich die Regierung mit offener Kritik an China ebenso zurück wie am Angriff Russlands auf die Ukraine.

Moody's habe das Rating für indische Fremdwährungsverbindlichkeiten 2020 auf Baa3 gesenkt und vor allem die strukturelle Wachstumsschwäche kritisiert. In der Krise sei die Staatsverschuldung gestiegen. Die Staatsfinanzen hätten schon vor der Krise zu den Schwachpunkten im indischen Bonitätsprofil gezählt. Im Oktober 2021 habe Moody's aber den Ratingausblick auf stabil verbessert und damit das Risiko einer weiteren Herabstufung in den Junk-Bereich reduziert.

Fitch und S&P würden ebenfalls einen stabilen Ausblick vergeben und das Land ebenso wie Moody's auf der untersten Stufe des Investment-Grade-Bereichs einstufen. Die Abkehr von der eher konservativen Fiskalpolitik früherer Jahre erhöhe das Risiko einer Herabstufung. Angesichts der geringen Auslandsverschuldung Indiens stehe die Zahlungsfähigkeit des Landes jedoch nicht in Frage. (13.01.2023/alc/a/a)





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