Hohe Inflation: Warum Preiskontrollen nicht die Lösung sind


09.06.22 10:30
Grüner Fisher Investments

Rodenbach (www.anleihencheck.de) - Im November finden die Zwischenwahlen in den USA statt und bereits heute ist das bestimmende Wahlkampfthema klar, so die Experten von Grüner Fisher Investments (GFI) im aktuellen Kapitalmarktausblick.

Anhaltender Preisdruck habe den Ruf nach staatlichen Maßnahmen zur Begrenzung der Inflation laut werden lassen und zu einigen kleineren Gesetzen beispielsweise in Europa geführt. Laut Thomas Grüner, Gründer und Vice Chairman von Grüner Fisher Investments, gebe es in den USA Bestrebungen, noch weiter zu gehen. Der Kongress plane bereits Gesetze zur Preiskontrolle. "Auch wenn eine Verabschiedung unwahrscheinlich erscheint, würden wir sie nicht ausschließen", so Grüner. "Wir beobachten die Entwicklungen genau, da wir davon überzeugt sind, dass sie, wenn sie auf breiter Basis angenommen werden, Gegenwind für die Wirtschaft und die Märkte bedeuten könnten."

Höhere Preise als Signal für Angebot und Nachfrage

Doch warum wären Preiskontrollen schädlich? "Sie verzerren die Preissignale, die für das effektive Funktionieren der Märkte und nicht zuletzt für das Wirtschaftswachstum von zentraler Bedeutung sind", erläutere Grüner. Die Preise würden für ein Gleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage sorgen. Auf der Nachfrageseite dagegen würden hohe und steigende Preise die Menschen zu Einsparungen, Substitutionen und Sparmaßnahmen ermutigen. "Gleichzeitig bedeuten hohe und steigende Preise einen größeren potenziellen Gewinn und signalisieren den Erzeugern, das Angebot zu erhöhen, was letztendlich dazu beiträgt, die Preise mittelfristig zu begrenzen", so Grüner.

Aber wenn die Preise nicht frei schwanken könnten, würden sie den Produzenten nicht mitteilen, wann sie die Produktion steigern müssten. Infolgedessen komme es nicht zu den Verhaltensänderungen, die zur Stabilisierung der Preise beitrügen. Preiskontrollen könnten sogar zu schwerwiegenden Engpässen führen, wenn die Preise nahe an oder unter den Kosten der Erzeuger festgesetzt würden, was die Produktion verhindere und die Preise letztlich noch viel höher treibe.

Diskussion sorge für Unruhe

"Preiskontrollen sind schädlich", betone Grüner. "Selbst wenn sie nicht beschlossen werden, sorgt allein die zunehmende Wahrscheinlichkeit solcher Maßnahmen dafür, die ohnehin schon auf der Stimmung lastenden Befürchtungen noch zu verstärken." Somit werde die Verringerung der Inflation gefährdet, die vor allem auf einem zu geringen Angebot an Gütern nach der Corona-Zeit basiere. Das Angebot bei Öl, Autos, Häusern und Halbleitern entstehe gerade. Eine ausfallende Weizenproduktion aus Osteuropa werde durch gesteigerte Mengen in Kanada ausgeglichen. Die Europäische Union gäbe Naturschutzflächen zum Ackerbau frei. China würde wieder öffnen, was die Lieferketten tendenziell entspanne. Die Produktion werde gesteigert, da höhere Preise vielversprechend wirken würden. "Doch wenn die Sorge entsteht, dass Preise reguliert werden, wird dieser Prozess gefährdet", meine Grüner. Die Beseitigung von Engpässen auf der Angebotsseite brauche Zeit und könne vielleicht nicht sofort Abhilfe schaffen, aber sie werde letztendlich zum Ziel führen.

Fazit

Das Risiko, dass der Kongress Preiskontrollen einführe, scheine gering zu sein. Der derzeitige Vorsprung der Demokraten im US-Repräsentantenhaus gehöre zu den kleinsten Mehrheiten in der Geschichte - und sie seien in dieser Frage gespalten. "Der Senat ist gleichmäßig geteilt, und es sind nur noch etwa fünf Monate bis zu den Zwischenwahlen, die häufig Mehrheiten drehen", resümiere Grüner. "Wenn das passiert, haben Gesetze zur Preiskontrolle wenig bis gar keine Chance." Die Inflation werde sinken - auch ohne Preiskontrollen. Das gesteigerte Angebot und eine Verschiebung der Nachfrage in Richtung Dienstleistungen seien effizienter als staatliche Maßnahmen. (09.06.2022/alc/a/a)






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