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High Yields im aktuellen Marktumfeld


17.06.22 09:30
La Française AM

Frankfurt am Main (www.anleihencheck.de) - Angesichts des derzeitigen inflationären Umfelds bevorzugen wir High-Yield-Emittenten aus defensiven Sektoren wie Telekommunikation, Gesundheitswesen und Gaming gegenüber konsumorientierten Sektoren wie dem Einzelhandel, die stärker dem Rezessionsrisiko ausgesetzt sind, so Gabriel Crabos, High Yield Portfolio Manager, La Française AM.

Außerdem seien die Experten der Meinung, dass Rohstoffproduzenten in der Öl- und Gasindustrie sowie im Bergbau von einer extrem starken Generierung von freiem Cashflow profitieren würden. Deshalb sollten diese Rohstoffverbrauchern, wie Emittenten aus der Chemieindustrie, bevorzugt werden, wo die Preisgestaltungsmacht nicht so stark sei. Auch bei hoch verschuldeten Sektoren wie dem Immobiliensektor seien die Experten vorsichtig, da höhere Zinssätze die Bewertungen von Vermögenswerten und die Finanzierungskosten beeinflussen würden.

Auf fundamentaler Ebene führe eine steigende Inflation zu einer geringeren Profitabilität, da die Inputkosten (Rohstoffe, Energie, Löhne usw.) die Gewinnspannen, die Cashflow-Generierung und die Verschuldung beeinflussen würden. Infolgedessen würden sich die Kreditkennzahlen wie Nettoverschuldung oder Zinsdeckung verschlechtern, was zu einem erhöhten Kreditrisiko und größeren Credit Spreads führe. Die Experten müssten jedoch unterscheiden zwischen (a) Preismachern, die die Inflation an die Kunden weitergeben könnten und so ihre Margen erhalten würden, und (b) Preisnehmern, die dies nicht könnten. Die Experten würden davon ausgehen, dass die Credit Spreads der Preisgestalter im Vergleich zu den Preisnehmern relativ stabil bleiben würden.

Aus technischer Sicht führe eine steigende Inflation zu höheren Zinssätzen, was sich wiederum negativ auf die Performance der Anlageklasse High Yield auswirke. Ende Mai 2022 habe die modifizierte Duration des BofA Global High Yield Index beispielsweise bei 4,4x gelegen. Das bedeute, dass bei einem Zinsanstieg um +100 Basispunkte die Performance um -4,4% negativ sei (ohne positive Carry-Effekte und positiver oder negativer Effekte aus der Entwicklung der Spreads).

Zwar sei nach Meinung der Experten die Zinserhöhung der Zentralbanken größtenteils bereits vom Markt eingepreist, insbesondere in den USA, doch würden sie bei den Spreads für globale Hochzinsanleihen/High-Yield-Anleihen in der zweiten Jahreshälfte vorsichtig bleiben, da sie mit einer weiterhin hohen Marktvolatilität rechnen würden.

Aus geografischer Sicht würden die Experten US-High-Yield-Emittenten gegenüber europäischen High-Yield- Emittenten bevorzugen: Ihres Erachtens seien US-Emittenten weitaus unabhängiger von den Folgen des Russland/Ukraine-Kriegs, die Rating-Trends seien in den USA angesichts eines Verhältnisses von Herauf- und Herabstufungen von mehr als Faktor 1 wesentlich besser, die Refinanzierungsaktivitäten würden sich stärker auf die Verbindlichkeiten europäischer Emittenten auswirken, und europäische Emittenten würden stärker vom zunehmenden Druck auf die Peripherie-Zinsen betroffen sein, da der BTP-Bund-Spread den höchsten Stand (mehr als 200 Basispunkte) der letzten zwei Jahre erreicht habe.

Angesichts der guten Ergebnisse im erste Quartal 2022 würden die Experten davon ausgehen, dass die Fundamentaldaten der Unternehmen im zweiten Quartal durch die steigende Inflation und das langsamere Wirtschaftswachstum beeinträchtigt würden. Sie würden jedoch damit rechnen, dass die meisten High-Yield-Unternehmen, insbesondere im BB-Segment im Vergleich zum CCC-Segment, diese negativen Schocks/Auswirkungen auffangen könnten, da die Kreditkennzahlen und Liquiditätsniveaus im Vergleich zu den letzten Jahren weiterhin auf einem hohen Niveau lägen.

Die Experten würden auch sehen, dass das Refinanzierungsrisiko eher gering sei, da in den USA etwa 10% der High-Yield-Anleihen bis 2024 fällig würden, während es in Europa 20% seien. Folglich würden sie davon ausgehen, dass die Ausfallraten bei High-Yield-Anleihen in der zweiten Jahreshälfte leicht ansteigen würden, aber nicht über das Ziel hinaus schießen würden. (17.06.2022/alc/a/a)