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Heute im Fokus: Zinserwartungen


05.09.22 09:15
Helaba

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - 25, 50 oder 75 Basispunkte? Dass die Zinsen seitens der EZB in dieser Woche erhöht werden und erhöht werden sollten, steht außer Frage, denn die Inflationsrate ist zuletzt gestiegen und im Herbst drohen weitere Schübe, wenn sich die hohen Erdgas- und Strompreise an den Handelsplätzen auf die folgenden Preisebenen auswirken, so die Analysten der Helaba.

Hinzukommen in verschiedensten Branchen Produktionskürzungen aufgrund der hohen Energierechnungen, die nicht oder nur unzureichend in höhere Verkaufspreise überwälzt werden könnten. Bei gleichbleibender Nachfrage wirke diese Angebotsverknappung inflationstreibend. Zwar lasse die konjunkturelle Dynamik nach, was aber teilweise auf die Angebotsreduzierung zurückzuführen sei, nicht auf eine Dämpfung der Nachfrage, und der Aufwärtsimpuls bei den Preisen scheine noch nicht gebrochen zu sein.

Diese schwierige Gemengelage müsse die EZB bei der Ratssitzung im Blick haben. Jüngste Äußerungen von EZB-Chefvolkswirt Lane und Ratsmitglied Centeno würden aber darauf hinweisen, dass es nach wie vor ein Lager derjenigen EZB-Vertreter gebe, die eher vorsichtiger agieren wollten, um zum einen das Übersteuerungsrisiko zu verringern und zum anderen keine prozyklische Wirkung der Geldpolitik zu erzeugen. Die Analysten würden bei einer Inflation von 9% und mehr das Vertrauen auf die selbstregulierenden Kräfte der Volkswirtschaft aber für nicht angemessen halten.

Vielmehr scheine ein aggressives Vorgehen der Zentralbank gegen die Inflation nötig, auch um zu verhindern, dass sich die Inflationserwartungen aus der Verankerung um 2% lösen würden. Die Märkte hätten zuletzt mehr als 50 Basispunkte eingepreist und würden zudem über den September hinaus weitere Anhebungen der Leitzinsen eskomptieren, fast 100 Basispunkte zusätzlich bis zum Ende des Jahres. (05.09.2022/alc/a/a)