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Heute im Fokus: Realrendite


18.11.22 08:40
Helaba

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - In der Finanzkrise, spätestens aber ab der Lehman-Pleite, sind die Realrenditen - gemessen an den marktseitig eingepreisten mittel- und langfristigen Inflationserwartungen (5J/5J-Inflation-Swap-Forwards) - unter Schwankungen gesunken, so die Analysten der Helaba.

In Folge der jahrelangen lockeren Geldpolitiken nicht nur in der Eurozone hätten sie kurz nach dem Beginn der Pandemie 2020 ihren Tiefpunkt im negativen Bereich erreicht. Seitdem und beschleunigt in diesem Jahr hätten die Zins- und Renditesteigerungen der letzten Wochen und Monate die Realrendite in die Nähe der Nulllinie zurückgeführt, obwohl sich auch die Inflationserwartungen sukzessive nach oben geschoben hätten und aktuell um 2,30% schwanken würden. Auch das sei eine Folge des von der EZB angestrebten Normalisierungsprozesses, der nach Erachten der Analysten noch nicht beendet sei.

Jedoch gebe es vermehrt Hinweise aus dem Kreise der EZB-Ratsmitglieder, dass sich die bis zuletzt schnelle Erhöhung der Leitzinsen verlangsamen könnte. Reden von Lagarde, Nagel und Knot seien diesbezüglich heute zu beachten. Der Bedarf an weiteren Zinserhöhungen sei wegen der bei 10% liegenden Teuerung weiterhin gegeben. Noch seien die Zeichen eines geringer werdenden Preisauftriebs spärlich.

Zudem laufe die Diskussion um eine Rückführung der aufgeblähten EZB-Bilanzsumme. Frühzeitige TLTRO-Rückzahlungen der Banken würden ihren Teil daran haben, aber auch das für das nächste Jahr erwartete Euro-QT, d.h. die Reduzierung der Anleihebestände des ESZBs. Zunächst dürften dabei wohl Fälligkeiten aus dem APP nicht vollständig zur Wiederanlage kommen, während das PEPP-Volumen noch bis Ende 2024 stabil bleiben solle. (18.11.2022/alc/a/a)