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Heute im Fokus: Geldpolitik


07.06.22 08:39
Helaba

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Datenseitig geben den Auftakt heute die deutschen Industrieaufträge, gefolgt von den Produktionsdaten morgen, so die Analysten der Helaba.

Bezüglich der Produktion gebe es positive Meldungen aus der Automobilbranche, die den schwachen Jahresauftakt aufzuholen beginne. Insofern sollten mit den Zahlen keine generellen Konjunkturzweifel aufkommen, ungeachtet der Tatsache, das hohe Vorproduktpreise, Angebotsengpässe und die politische Verunsicherung weiterhin Belastungsfaktoren darstellen würden.

Im Hinblick auf die EZB-Geldpolitik dürfte klar sein, dass bei der Ratssitzung in dieser Woche noch nicht an der Zinsschraube gedreht werde. Wohl aber sei die Vorbereitung einer Zinserhöhung im kommenden Monat zu erwarten. Die Projektionen des EZB-Stabes für Wachstum und Inflation würden dafür den argumentativen Rahmen bilden. Eine deutliche Aufwärtskorrektur des projizierten Inflationspfades sei als sicher anzusehen, nachdem die tatsächlichen Zahlen zuletzt auf der Oberseite überrascht hätten und auch die Energiepreise wieder deutlich zugelegt hätten. Bisher seien die EZB-Mitarbeiter in diesem Jahr von einer durchschnittlichen Preissteigerung von 5,1% ausgegangen. Der neue Wert dürfte in Richtung 7% steigen und auch die bisher bei 2,1% liegende 2023er Rate dürfte nach oben geschoben werden.

Damit sei klar, dass die Zielverfehlung der EZB länger anhalte und ein geldpolitisches Gegensteuern erforderlich sei. Im Zuge dessen würden auch die QE-Käufe bald eingestellt, wenngleich über ein mengenmäßiges Straffen (QT) in der EZB noch niemand zu sprechen wage. Die Folgen für den Anleihemarkt wären zu groß, da bereits jetzt massive Spreadausweitungen der Peripherie zu beklagen seien. Angesichts dessen könne die EZB nicht so beherzt agieren wie dies wünschenswert wäre und in den USA möglich sei. (07.06.2022/alc/a/a)