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Heute im Fokus: EZB-Zinswende kommt


09.06.22 08:45
Helaba

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Heute steht die Ratssitzung der Europäischen Zentralbank im Mittelpunkt des Interesses, so die Analysten der Helaba.

Mit einer Veränderung der Geldpolitik sei zwar trotz einer Inflationsrate von zuletzt 8,1% nicht zu rechnen, allerdings dürften die Weichen für eine Zinserhöhung im Juli gestellt werden. Äußerungen vieler Vertreter der Notenbank hätten einen derartigen Schritt in Aussicht gestellt. Bis zur nächsten Ratssitzung könne das Anleihekaufprogramm APP beendet werden, was aus Sicht der EZB die Voraussetzung für Zinserhöhungen sei.

Die EZB befinde sich in einem Dilemma: Einerseits seien Zinserhöhungen als Reaktion auf die viel zu hohe Inflation notwendig, andererseits würden die Renditen deutlich steigen - ebenso wie die Peripheriespreads. Italienische Bonds mit 10-jähriger Laufzeit hätten gegenüber vergleichbaren Bundesrenditen die Marke von 200 BP längst überschritten. Ob gezielte Anleihekäufe aus der Wiederanlage fälliger Wertpapiere ausreichend seien, um hier Abhilfe zu schaffen, sei fraglich.

Ungewiss sei auch, ob es Pläne für ein anderes Kaufprogramm gebe, worüber vereinzelt spekuliert worden sei. Dies sei schwer vorstellbar, denn die beendeten Maßnahmen (APP, PEPP) seien vonseiten der EZB stets damit begründet worden, dass sie als monetäres Instrument die Inflation nach oben treiben würden. Gerade dies wolle sie ja derzeit vermeiden und daher werde es klare Signale für Zinserhöhungen geben.

Die Zinserwartungen seien derweil weit gediehen. Der 3M-Euribor-Future per Dezember liege bei etwa +1,0%. Das sei ein Plus von 130 BP gegenüber dem aktuellen Euribor. Sollte EZB-Chefin Lagarde graduelle Erhöhungen in Aussicht stellen und den Eindruck erwecken, dass es für einen Schritt um 50 BP keine Mehrheit gebe, könnte es vorübergehend zu einer Korrektur der Markterwartungen kommen. (09.06.2022/alc/a/a)