Heute im Fokus: EZB-Nachlese und US-Inflation


10.06.22 08:50
Helaba

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die Ratssitzung der Europäischen Zentralbank hat deutlich gemacht, dass die lange Phase extrem niedriger Zinsen zu Ende geht, so die Analysten der Helaba.

Die Inflation in der Eurozone sei unerwünscht hoch. Negativ- und Nullzinsen seien daher nicht mehr angemessen, ebenso wenig wie Anleihekäufe des Eurosystems. Mit dem nahen Ende der Anleihekäufe zum 1. Juli sei der Weg frei für Zinserhöhungen, die ebenfalls im kommenden Monat beginnen würden und zunächst 25 Basispunkte umfassen sollten.

Im September sei in Abhängigkeit von Inflationsausblick ein großer Schritt möglich. Danach solle es einen graduellen aber nachhaltigen Zinserhöhungsprozess geben. Zur Untermauerung dieser Sicht hätten der EZB-Präsidentin die deutlich nach oben angepassten Inflationsprojektionen der EZB für dieses und das kommende Jahr (neu bei 6,8% bzw. 3,5% statt bisher 5,1% und 2,1%) gedient. Per saldo seien Renten- und Aktienmärkte im Nachgang zur Ratsentscheidung unter Druck gekommen. Auch der Euro habe nach einer kurzzeitigen Erholung wieder schwächer tendiert.

Heute richte sich der Blick der Marktteilnehmer in die USA, denn dort würden die Daten zur Preisentwicklung im Mai bekannt gegeben. Zwar seien dämpfende Basiseffekte vorhanden, die monatlichen Zuwächse z.B. bei den Benzinpreisen würden die Inflationsrate aber auf hohem Niveau halten und nur einen leichten Rückgang ermöglichen. Es wäre der zweite in Folge, nachdem die Teuerungsrate im März bei 8,5% den vorläufigen Höhepunkt gesehen habe. Da auch die Kerninflation ungeachtet des erwarteten Rückgangs weiterhin ein erhöhtes Level aufweise, sollten die Zahlen den avisierten steilen FED-Zinspfad auf Sicht der kommenden Monate nicht in Frage stellen. (10.06.2022/alc/a/a)