Das Hase-und-Igel-Spiel mit der Inflation


09.06.22 14:30
TARGOBANK

Düsseldorf (www.anleihencheck.de) - Die geldpolitische Wende ist eingeleitet: Das Hase-und-Igel-Spiel - der Wettlauf Inflation gegen EZB - nimmt Fahrt auf, so Dr. Otmar Lang, Chefvolkswirt der TARGOBANK.

Nachdem sich Christine Lagarde lange gesträubt habe, die hohen Inflationsraten als ein ernsthaftes Problem anzuerkennen, habe sie Ende Mai ein Ende der negativen Zinssätze noch im dritten Quartal verkündet. Heute sei sie präziser geworden: Die Zinsen sollten im Juli um 0,25 Prozentpunkte ansteigen, weitere Schritte in den folgenden Sitzungen seien wahrscheinlich.

Zumindest für die Finanzmärkte komme der Schwenk der obersten Währungshüterin zu spät. Viele Banken würden bereits für 2023 eine Rezession einpreisen. Komme diese tatsächlich - und die Wahrscheinlichkeit steige zurzeit täglich - habe die EZB nicht viel Zeit, um ihre geldpolitische Wende umzusetzen. Die angedachten Zinsschritte würden Europas Währungshüterin nur ein kleines Sicherheitsnetz geben, um im Falle einer nachlassenden Konjunktur im kommenden Jahr die Zinsen wieder zu senken.

Es zeichne sich ein klassischer Hase-Igel-Wettlauf gegen die Inflation ab, den die EZB bereits am Start zu verlieren scheine. So sehr man ihr zum vollzogenen geldpolitischen Schwenk gratulieren möchte, so nahe liege das Bedauern, dass sie damit eventuell zu spät dran sei. (09.06.2022/alc/a/a)




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