Großbritannien: Neues Fiskalpaket, Inflation steigt sprunghaft an


08.06.22 10:00
Postbank Research

Bonn (www.anleihencheck.de) - Nachdem sich das Wirtschaftswachstum Großbritanniens im ersten Quartal kontinuierlich abgeschwächt hatte, könnte es im zweiten Quartal sogar schrumpfen, so die Analysten von Postbank Research.

Der Composite PMI, der sowohl den Industrie- als auch den Dienstleistungsbereich umfasse, sei im Mai von 58,2 Punkten im April auf 51,8 Punkte eingebrochen. Während der PMI im Dienstleistungssektor auf ein 15-Monats-Tief von 51,8 Punkten gefallen sei, habe sich der PMI der Industrie mit 54,6 Punkten besser geschlagen.

Um die Privathaushalte angesichts stark gestiegener Lebenshaltungskosten zu entlasten, habe die britische Regierung ein weiteres Fiskalpaket über 15 Milliarden GBP beschlossen. Zusammen mit den zuvor verabschiedeten Maßnahmen würden sich die fiskalischen Hilfen nun auf etwa 1,5 Prozent des BIP belaufen, was die Konjunktur im späteren Jahresverlauf stützen sollte.

Die Inflationsrate sei im April von 7,0 Prozent auf 9,0 Prozent gesprungen. Hauptverantwortlich für den Anstieg sei eine Preisanhebung der Energieversorger um 47,5 Prozent im Vormonatsvergleich gewesen. Allerdings habe auch die Kerninflation einen Sprung von 5,7 auf 6,2 Prozent verzeichnet. Ein weiterer Anstieg der Inflation dürfte nicht zu vermeiden sein, sodass der Druck für eine weitere geldpolitische Straffung hoch bleibe.

Der Aufwärtsdruck bei den Renditen zehnjähriger britischer Staatsanleihen habe zuletzt zugenommen. Trotzdem könnten Gilts auf Sicht von sechs Monaten mit 1,85 Prozent niedriger rentieren als aktuell (2,16 Prozent; Stand: 03.06.2022). (Zinsbulletin Juni 2022) (08.06.2022/alc/a/a)