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Green Bonds: Fünf Gründe, warum satte Erträge winken


04.11.22 14:37
FONDS professionell

Wien (www.anleihencheck.de) - Nach Ansicht von BANTLEON sind die Vorzeichen für grüne Anleihen fürs Jahr 2023 gut, so die Experten von "FONDS professionell".

Der Asset Manager erwarte für den europäischen Green-Bond-Markt eine deutlich positive Wertentwicklung oberhalb des breiten Euro-Anleihenmarktes.

Dieses Jahr habe der Rentenmarkt den Investoren bislang nur wenige Möglichkeiten geboten, eine positive Wertentwicklung zu erzielen. Das geopolitische Umfeld und die Entschlossenheit der Notenbanken, die Inflation zu bekämpfen, hätten zu stark steigenden Zinsen und Risikoprämien geführt. Entsprechend hätten sich Anleihenmärkte mit längerer Duration und höherem Anteil an Unternehmensanleihen schwächer entwickelt, rekapituliere Marcio da Costa, Senior Portfolio Manager bei BANTLEON.

So auch der Euro-Green-Bond-Markt, der sich mit einer Duration von 7,0 Prozent (6,4% im breiten Euro-Anleihenmarkt) und einer Unternehmensanleihenquote von 50 Prozent (gegenüber 22%) um 4,5 Prozentpunkte schwächer entwickelt habe als der breite Euro-Anleihenmarkt.

Der starke Zinsanstieg und die hohe Volatilität hätten die Attraktivität des Green-Bond-Marktes jedoch weiter erhöht. Dafür sprächen da Costa zufolge fünf gute Gründe:

Unternehmensanleihen sollten wieder besser performen

"In fünf der sieben vergangenen Jahre hat der Green-Bond-Markt den breiten Euro-Anleihenmarkt outperformt", so da Costa. Grund hierfür sei neben den fallenden Zins- und Spreadniveaus die im Green-Bond-Markt allokationsbedingt stets höhere laufende Verzinsung - derzeit 3,6 Prozent gegenüber 3,1 Prozent beim breiten Euro-Anleihenmarkt - gewesen.

"Mit Blick voraus ist angesichts der bevorstehenden Rezession mit sinkenden Anleihenrenditen zu rechnen", meine der Bond-Profi. Unternehmensanleihen würden nach seiner Einschätzung inzwischen eine ausreichend hohe laufende Verzinsung besitzen, um einen weiteren moderaten Anstieg der Risikoprämien abzufedern. Daher erwarte da Costa in den kommenden zwölf Monaten für den Green-Bond-Markt eine deutlich positive Performanceentwicklung oberhalb des breiten Euro-Anleihenmarktes.

Für Investoren attraktiv gepreiste Primärmarktemissionen

"Die über die Sommermonate gestiegenen Zinsen und Risikoprämien haben bei Unternehmen zu steigenden Refinanzierungskosten geführt und das schwache Makro-Umfeld zu einem Aufschub der Unternehmensinvestitionen", erläutere da Costa. Entsprechend sei die Primärmarktaktivität im September und Oktober nur zögerlich angelaufen: Gegenüber dem Vorjahreszeitraum seien etwa 50 Prozent des Volumens emittiert worden. Unternehmen hätten dabei deutlich höhere Neuemissionsprämien bezahlen müssen als in den Monaten davor.

BANTLEON sehe daher eine erhöhte Attraktivität der Primärmarktemissionen und nutze diese, um im Gegenzug den Anteil von Unternehmen aus zyklischen Sektoren weiter zu reduzieren. "Green-Bond-Investoren können davon besonders profitieren, da sie gewöhnlich bei der Zuteilung bevorzugt werden", so da Costa.

Greenium vorläufig ausgepreist - Spekulation auf Comeback

Die Renditedifferenz zwischen Green Bonds und konventionellen Anleihen (Greenium) sei weiter rückläufig gewesen. "Während die deutsche grüne Bundesanleihe mit Fälligkeit im Jahr 2030 zum Jahresbeginn noch sieben Basispunkte unterhalb der konventionellen Zwillingsanleihe rentierte, hat sich dieser Renditeabschlag durch die erhöhte Volatilität vollständig zurückgebildet", erläutere da Costa.

"Ergo bieten Green Bonds nun wieder eine vergleichbare Rendite und den zusätzlichen Nutzen der quantifizierbaren Nachhaltigkeitswirkung", meine der BANTLEON-Mann. Damit bestehe für Investoren die Möglichkeit, ohne Renditeeinbußen in Green Bonds zu investieren und sogar von der künftigen Entwicklung des Greeniums zu profitieren.

Bis zu 9 Prozent Rendite

Im Bereich der Covered Bonds würden sich da Costa zufolge attraktive Chancen ergeben. Covered Bonds hätten überproportional unter dem starken Anstieg der Euro-Swap-Spreads gelitten. Derzeit würden zehnjährige grüne Covered Bonds auf einem Niveau von etwa 3,0 Prozent und damit über einen Prozentpunkt höher als deutsche Bundesanleihen rentieren. Angesichts der deutlich nachlassenden Nachfrage nach Zinsabsicherungen und der Entspannung am Repo-Markt dürften die Risikoprämien kurzfristig fallen.

Bei nachrangigen grünen Unternehmensanleihen würden sich Renditen von 6 bis 9 Prozent erzielen lassen. Berücksichtige man das Investment-Grade-Emittentenrating, so sei dies da Costa zufolge ein beachtliches Renditeniveau. Diese nachrangigen grünen Unternehmensanleihen seien High-Yield-Anleihen klar vorzuziehen, da High-Yield-Anleihen in der bevorstehenden Rezession unter steigenden Ausfallraten leiden sollten.

EZB kaufe bevorzugt Green Bonds

"Mittelfristig ist mit Rückenwind von der EZB zu rechnen", meine da Costa. Die Notenbank habe im September Details zur nachhaltigen Ausrichtung ihrer im Bestand befindlichen Unternehmensanleihen veröffentlicht. So werde seit Oktober ein Score errechnet, der auf die Nachhaltigkeit eines Emittenten schließen lasse. Emittenten mit hohem Score würden bei künftigen Käufen und Reinvestitionen höher gewichtet. Green Bonds würden unabhängig von ihrem Score bevorzugt.

"Das größte Nachhaltigkeitsspektrum ist innerhalb der Sektoren Versorger sowie Energie- und Immobilienunternehmen zu erwarten, da dort die größten Nachhaltigkeitsunterschiede zwischen Emittenten bestehen. In Summe wird sich der neue Nachhaltigkeitsansatz der EZB aber erst durch höhere Kauf- und Reinvestitionsvolumina bemerkbar machen", so da Costa. (Ausgabe vom 03.11.2022) (04.11.2022/alc/a/a)