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Globaler Ausblick: Mit zunehmender Dauer des Krieges in der Ukraine steigt das Risiko für die Weltwirtschaft


10.06.22 13:23
AB

München (www.anleihencheck.de) - Die hohe Inflation und das sich verlangsamende Wachstum werden für die Weltwirtschaft zum Problem, so Eric Winograd, Director of Developed Market Economic Research beim Asset Manager AllianceBernstein (AB).

Bei steigenden Preisen würden Haushalte zunehmend auf ihre Reserven zurückgreifen, um ihren Konsum abzusichern. Die Zentralbanken müssten zur Stabilisierung des Geldwertes ihre Leitzinsen erhöhen, was wiederum den Druck auf das Wirtschaftswachstum verstärke.

Die Weltwirtschaft gerate mit einer hohen Inflation und einem sich verlangsamenden Wachstum zunehmend unter Druck. Die geopolitischen Ereignisse würden zudem beide Probleme verschärfen: Die anziehenden Rohstoffpreise würden die Inflation hochhalten und die steigenden Zinsen würden das Wachstum belasten. Je länger sich der Krieg in der Ukraine hinziehe, umso größer werde das Risiko für einen Wachstumseinbruch.

Die Experten würden glauben, dass die Inflation in den USA bereits ihren Höhepunkt überschritten habe und sich im weiteren Verlauf des Jahres und bis ins Jahr 2023 hinein allmählich abschwächen werde. Es werde jedoch noch Monate dauern, bis die Inflation spürbar sinke. Zumindest sinke die Inflationsdynamik und der Trend werde günstiger. In Europa werde die Inflation dagegen aufgrund des Krieges in der Ukraine und der Weitergabe hoher Energiekosten an die Verbraucher erst weitaus später in diesem Jahr ihren Höhepunkt überschreiten.

Die EZB-Leitzinsen würden wie erwartet unverändert bleiben, aber die Inflationsprognosen seien erheblich gestiegen, was deutlich mache, dass eine Zinserhöhung unmittelbar bevorstehe. Während die APP-Käufe am 1. Juli auslaufen würden, werde die erste Zinserhöhung im Juli erwartet. Die EZB habe für Juli eine Anhebung der Zinssätze um 25 Basispunkte angekündigt und für September eine "Kalibrierung" in Abhängigkeit von den Inflationsaussichten. Das deute darauf hin, dass eine Erhöhung um 50 Basispunkte möglich sei.

Die höheren Preise würden die Verbraucher schmerzen, da diese mehr für Benzin und Lebensmittel ausgeben müssten und weniger für Konsumkäufe übrigbleibe. Die Arbeitsmärkte seien nach wie vor robust, was den Effekt mildere. Doch seien die Sparquoten gesunken, da die Haushalte auf die Sparguthaben zurückgreifen würden, um ihren Konsum zu stabilisieren.

Die Zentralbanken stünden vor unbequemen Entscheidungen. Bislang hätten sich die meisten dafür entschieden, der Inflationsbekämpfung Vorrang vor der Wachstumsförderung zu geben. Die Experten würden in den nächsten Quartalen Zinserhöhungen in den USA, in Europa und in Großbritannien sowie in vielen Schwellenländern erwarten.

Zinserhöhungen würden ein erhöhtes Rezessionsrisiko mit sich bringen, da es für die Zentralbanken schwierig sei, die Politik wirksam zu straffen, ohne zu weit zu gehen. Die schrittweise Politik der großen Zentralbanken und das niedrige Ausgangsniveau der Zinssätze seien für die Experten dabei ein Trost. Sie würden damit rechnen, dass sich die Weltwirtschaft verlangsamen könne, ohne zum Stillstand zu kommen. Zum jetzigen Zeitpunkt würden die Experten deshalb in keiner großen Volkswirtschaft mit einer Rezession rechnen. (10.06.2022/alc/a/a)