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Geringere Liquidität, weniger Anleihekäufe und höhere Zinsen sind das perfekte Menü für heißen Sommer


10.06.22 09:16
Candriam

Brüssel (www.anleihencheck.de) - Es wurden drei wichtige Entscheidungen getroffen, die echte Auswirkungen auf die Märkte haben, so Nicolas Forest, Global Head of Fixed Income bei Candriam.

Die EZB habe sich deutlich dahingehend geäußert, dass sie die hohe Inflation als eine große Herausforderung ansehe. In ihren neuen Prognosen habe sie die Inflation drastisch nach oben korrigiert, sodass sie im Jahr 2023 3,5% und im Jahr 2024 2,1% erreichen werde. Die langfristige Inflationsprognose von über 2% sei ein historisch einmaliger Vorgang und spiegle einen grundlegenden Wandel innerhalb der EZB wider.

In diesem Zusammenhang habe der Rat beschlossen, die Wertpapierkäufe im Rahmen des APP zum 1. Juli 2022 zu beenden. Dies sei der erste Schritt der geldpolitischen Normalisierung. Das Ende der quantitativen Lockerung sei allerdings eine klare Bedrohung für die Finanzstabilität. Der italienische Spread habe sich deutlich ausgeweitet. Auch wenn die Märkte über einen Kontrollmechanismus für die Spreads spekulieren würden, sei bisher kein zusätzliches Instrument vorgestellt worden. Das Risiko einer Marktfragmentierung sei daher beträchtlich, und es bestehe kein Zweifel daran, dass die EZB in den kommenden Monaten Einzelheiten über solch ein mögliches neues Instrument bekannt geben sollte.

Die EZB werde ihren Leitzins im Juli um 25 Basispunkte und im September möglicherweise um 50 Basispunkte anheben. Dies sei das Ende der Negativzinsen und der Beginn eines schrittweisen und nachhaltigen Kurses. Dies sei eine enorme Herausforderung, den Normalisierungsprozess an diesem Punkt des Zyklus einzuleiten.

Geringere Liquidität, weniger Anleihekäufe und höhere Zinsen seien das perfekte Menü für einen heißen Sommer. Investoren müssten daher weiterhin selektiv und flexibel bleiben. (Ausgabe vom 09.06.2022) (10.06.2022/alc/a/a)