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Geldpolitik: "Nach oben die Treppe, nach unten den Aufzug?"


09.02.24 11:35
RBC BlueBay Asset Management

London (www.anleihencheck.de) - Eine Verlangsamung der US-Konjunktur im Laufe des Jahres ist nach wie vor wahrscheinlich, so Mark Dowding, Chief Investment Officer bei BlueBay, RBC BlueBay Asset Management.

Mit Zinssenkungen der US-Notenbank Federal Reserve (FED) sei aber weiterhin erst in der zweiten Hälfte 2024 zu rechnen.

Bislang sei das Narrativ einer sich abschwächenden Inflation nicht in Frage gestellt worden. Daher berge der in der kommenden Woche veröffentlichte Verbraucherpreisindex ein gewisses Risiko, falls die Daten höher ausfallen würden als erwartet. Unter anderem gestiegene Löhne würden darauf hindeuten, dass es sich die Entscheidungsträger nicht leisten könnten, in Bezug auf den Preisdruck zu selbstgefällig zu werden.

Auch wenn es falsch erscheine, die Alarmglocken zu läuten: Dowding habe bereits früher darauf hingewiesen, dass die letzte Etappe auf dem Weg zum Inflationsziel wahrscheinlich langwierig sein werde und dass es noch einige Monate dauern könnte, bis der Kernverbraucherpreisindex unter 3 Prozent falle. Das sei das Niveau, bei dem die FED seines Erachtens eher zu einer Zinssenkung bereit wäre.

Darüber hinaus stelle Dowding weiterhin in Frage, dass die Geldpolitik nach oben die Treppe, nach unten aber den Aufzug nehme. Dies könnte der Fall sein, wenn sich die Daten abrupt abschwächen würden, man also eine harte Landung sehe, oder es ein wesentliches negatives Finanzmarktereignis gebe. Bei der Bewertung von Risikoanlagen sei jedoch eine weiche Landung eingepreist. In einem solchen Szenario dürfte der Zinssenkungszyklus nach Meinung von Dowding in einem gemäßigten Tempo ablaufen.

Dowding weise diesbezüglich auch auf die beiden US-Lockerungszyklen in den 1990er-Jahren hin. Damals seien die Zinsen um 100 Basispunkte oder weniger gesunken, bevor sie wieder angestiegen seien. "In dieser Hinsicht rechnen die Märkte wahrscheinlich mit einer zu starken geldpolitischen Lockerung - es sei denn, wir bewegen uns auf eine Rezession zu", so Mark Dowding.

Derweil habe die Schwäche der US-Regionalbanken die Marktteilnehmer beunruhigt. Der sinkende Aktienkurs der New York Bancorp habe Befürchtungen ausgelöst, dass sich die Entwicklungen rund um die Silicon Valley Bank im März vergangenen Jahres wiederholen könnten.

Der Grund für die Kursschwankungen sei jedoch ein ganz anderer und Dowding sei angesichts der eingeleiteten Maßnahmen weit weniger besorgt. Dennoch würden die US-Regionalbanken ein Schwachpunkt bleiben.

Auch die geldpolitischen Entscheidungsträger in Europa hätten die Aussichten auf baldige Zinssenkungen gedämpft. Isabel Schnabel, Mitglied des Direktoriums der Europäischen Zentralbank (EZB), sei in ihren jüngsten Äußerungen deutlich restriktiver gewesen als noch im Dezember. Sie habe darauf hingewiesen, dass sich die Fortschritte beim Inflationsabbau verlangsamen würden. Außerdem habe sie angemerkt, dass sich die Stimmungsumfragen verbessert hätten, was wiederum auf eine leichte Stärkung der Wirtschaftsaussichten hindeute.

Nichtsdestotrotz halte Dowding den Konjunkturausblick für die Eurozone nach wie vor für ziemlich schwach. Südeuropa stehe relativ gut da und verfüge über robuste Arbeitsmärkte. Doch abseits davon dümple das Wachstum in der Region um den Nullpunkt herum und die politischen Entscheidungsträger würden sich immer mehr vor zunehmenden Abwärtsrisiken fürchten. (09.02.2024/alc/a/a)