Geldpolitik kann noch keine Entwarnung geben


04.11.22 12:41
Helaba

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die Geldpolitik kann noch keine Entwarnung geben, so Claudia Windt von der Helaba.

Sowohl Renten als auch Aktien hätten in der vergangenen Handelswoche unter dem Eindruck der Jumbo-Zinsschritte (75 Basispunkte) von FED und Bank of England gestanden. Darüber hinaus habe EZB-Präsidentin Lagarde attestiert, dass die Notenbank zur Eindämmung der Inflation noch einen weiten Weg vor sich habe, weshalb auch eine milde Rezession sie nicht von weiteren Zinsanhebungen abbringen werde. Zins- und Rezessionssorgen hätten zwar die Kapitalmärkte überschattet, jedoch hätten sich weder bei Renten noch bei Devisen neue Hochpunkte ausgebildet.

Dennoch sei der Abverkauf an den Rentenmärkten deutlich ausgefallen. In den USA hätten die Zinserwartungen bis auf 5% angezogen, wobei die Rendite der 10-jährigen US-Treasuries unter ihrem Jahreshoch von 4,24% geblieben sei. Laut FED-Chef Powell seien kleinere Zinsschritte ab Dezember nicht auszuschließen. Folglich werde es davon abhängen, ob sich die Inflationsperspektiven aufhellen würden oder das fundamentale Bild spürbar eintrübe.

In der Berichtswoche (vom 7. bis zum 11. November) dürften die CPI-Werte für den Oktober zeigen, dass die US-Gesamtinflation ihren Gipfel bereits überschritten habe. Etwas Optimismus könnte also aufkommen, wenn nicht die Kernrate enttäusche. Im Euroraum hätten sich die Zinsen den US-Vorgaben nicht entziehen können, zumal Präsidentin Lagarde einen Zinsgipfel von 3% in den Raum gestellt habe. Die Rendite der 10-jährigen Bundesanleihe habe kräftig angezogen, sei aber unter ihrer Jahresspitze von 2,42% geblieben. Am langen Ende des Rentenmarktes hätten die jüngsten geldpolitischen Spekulationen nicht zu neuen Zinshochs beigetragen, vermutlich auch weil Zinsen über 4% in den USA bzw. 2% in Deutschland als Kaufkurse gesehen würden.

Am Devisenmarkt habe die US-Notenbank mit einer kräftigen Dollaraufwertung einen Beitrag zur Preisstabilität geleistet, doch notiere der Euro-Dollar-Kurs (ISIN EU0009652759/ WKN 965275) über seinem Jahrestief von 0,95. Auf Wochensicht hätten sich sogar die Abschläge am Aktienmarkt in Grenzen gehalten. Dabei gebe es kaum positive Nachrichten: Die Unternehmensberichterstattung für das dritte Quartal sei recht verhalten angelaufen. Den Unternehmen scheine es zunehmend schwerer zu fallen, die hohen Produktionskosten umzulegen, die nachgebenden deutschen Auftragseingänge im September würden ebenso wenig zu fundamentalem Optimismus beitragen. Immerhin scheine China auf diesem Felde etwas tun zu wollen. Gerüchte über eine Lockerung der strengen Covid-Regeln hätten dort für eine rege Aktiennachfrage gesorgt. Die Aussicht auf eine besser laufende chinesische Wirtschaft im kommenden Jahr könnte für etwas Rückenwind nicht nur an den Finanzmärkten, sondern auf für den deutschen "Kurztrip" von Politik und Wirtschaft nach China sorgen. In der Berichtswoche dürften neben den Verbraucherpreisen aus den USA und China, der deutschen Industrieproduktion auch das Ergebnis der US-Kongresswahlen die Kapitalmärkte in Bewegung halten. (04.11.2022/alc/a/a)





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