Finanzmarkt: Zinserhöhungen trotz Inflationsrückgängen?


13.01.23 12:37
Weberbank

Berlin (www.anleihencheck.de) - Der Kapitalmarkt startet dynamisch in das neue Jahr. Konjunkturoptimismus, abnehmender Inflationsdruck und steigende Aktienmärkte prägen die ersten Handelswochen, so Sascha Rehbein, CFA bei der Weberbank.

Besonders die europäischen Aktienmärkte würden zum Jahresstart vor Stärke strotzen. Wenn man eine Ebene tiefer blicke, sehe man, dass die zyklischen Unternehmen maßgeblich für diesen erfreulichen Start verantwortlich seien. Woher komme auf einmal dieser Optimismus? Zum einen helfe der Blick auf den Wetterbericht: Der Winter in Europa sei bisher ungewöhnlich mild gewesen, und auch der Ausblick bestätige dieses Bild. Somit sind unsere Gasspeicher gut gefüllt, was wiederum den Gaspreis auf den niedrigsten Stand seit zwölf Monaten gedrückt hat, so die Analysten der Weberbank. Die Ängste vor einer Gasrationierung seien somit quasi verflogen.

Ein weiterer Grund zum Optimismus komme aus China: Das abrupte Ende der Zero-Covid-Politik führe kurzfristig zu steigenden Infektionszahlen, allerdings auch zu einem deutlichen Konjunkturoptimismus nach dem erhofften Abflachen der Covid-Welle im kommenden Frühling. Die einhergehende dynamische Öffnung der chinesischen Wirtschaft sollte aus Sicht der Analysten zunächst die lokale Wirtschaft, insbesondere den Dienstleistungssektor, stützen. Die europäische Industrie sollte davon nachgelagert profitieren. Die Frühindikatoren aus Europa würden trotz einer leichten Erholung immer noch viel Pessimismus widerspiegeln. Somit teilen die Analysten der Weberbank nur begrenzt die aktuelle Euphorie am europäischen Aktienmarkt. Die anhaltend hohen Energiepreise gepaart mit enttäuschenden Auftragseingängen würden erklären, warum die Analysten nicht optimistischer auf die europäische Wirtschaft und somit abgeleitet auf den europäischen Aktienmarkt blicken würden.

Die gestrigen US-Inflationszahlen hätten erneut einen abnehmenden Inflationsdruck gezeigt. In einzelnen Segmenten, z.B. bei Energie- und Gebrauchtwagenpreisen, sehe man in den letzten Monaten sogar deutliche Preisrückgänge! Trotzdem werde allgemein erwartet, dass die US-Notenbank FED noch nicht am Ende ihres Zinserhöhungszyklus‘ angelangt sei. Wie sei das zu erklären? Einerseits liege trotz der rückläufigen Preisdynamik die Inflation mit 6,5% noch immer deutlich über der erklärten Zielmarke in Höhe von 2%. Des Weiteren sei die Furcht vor einem nachhaltig hohem Inflationsdruck weiterhin bei den Notenbankern stark ausgeprägt, sowohl bei der FED als auch bei der EZB. Diesem potenziell länger anhaltenden Preisdruck würden die Notenbanker offensichtlich durch weitere restriktive Maßnahmen in Form von Leitzinserhöhungen entgegnen.

Die Analysten der Weberbank erwarten für die USA einen Hochpunkt bei ca. 5%, während die EZB aus ihrer Sicht den Leitzins auf ca. 3,5% über die nächsten Sitzungen anheben wird. Dabei werde offensichtlich eine Abschwächung der jeweiligen Wirtschaftsentwicklung in Kauf genommen und sei für die Analysten ein weiterer Grund, die aktuelle Kurseuphorie der Aktienmärkte mit gewisser Skepsis zu betrachten.

Die Leitzinserhöhungen und weitere restriktive Maßnahmen der beiden großen Notenbanken seien maßgeblich dafür verantwortlich gewesen, dass der Rentenmarkt im vergangenen Jahr massive Kursverluste habe verkraften müssen. Könne man diese negative Entwicklung aufgrund der noch anstehenden Leitzinserhöhungen auch für dieses Jahr erneut erwarten? Aus Sicht der Analysten ein ganz klares - Nein! Die angesprochenen Erwartungen an weitere Leitzinsschritte seien am Kapitalmarkt bereits eingepreist und würden sich somit bereits überwiegend in den Rentenkursen widerspiegeln. Zusätzlich hätten Rentenanleger, anders als zum Jahresstart 2022, endlich wieder die Möglichkeiten, attraktive Renditen ins Portfolio zu holen. Diese hätten eine deutlich bessere Pufferwirkung im Vergleich zu dem noch vor kurzem herrschenden Negativzins-Regime.

Die Analysten der Weberbank empfehlen, dementsprechend die Rentengewichtung zu erhöhen. Bei den Unternehmensanleihen würden sie Engagements im Finanzsektor besonders spannend finden, da die Risikoprämien im Vergleich zu Industrieanleihen deutlich höher seien und der Geschäftsausblick der Banken mit Blick auf die zukünftigen Zinserträge an Attraktivität gewonnen habe. (13.01.2023/alc/a/a)





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