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FOMC: Was schneller steigt, fällt früher! Brechstange rausgeholt - Konjunktur zweitrangig!


16.06.22 10:45
Nord LB

Hannover (www.anleihencheck.de) - Letztlich nicht ganz überraschend hat die FED gestern Abend die FED Funds Target Rate um 75 Basispunkte auf 1,75% angehoben, so die Analysten der Nord LB.

Darauf sei im Vorfeld bereits spekuliert worden angesichts einer im Mai auf 8,6% gestiegenen Inflationsrate und höherer Inflationssorgen. Die Abstimmung im Gremium sei fast einstimmig gewesen - bemerkenswerterweise habe allein die sonst "hawkishe" Esther George aus Gründen der Berechenbarkeit für nur 50 BP plädiert. Dieser unangekündigte "last-Minute-Schwenk" sei für das FOMC tatsächlich unüblich gewesen und offenbare durchaus eine gewisse Panik.

Das Statement habe wenig Neues enthalten. Der Satz, die Konsumausgaben und die Ausrüstungsinvestitionen seien stark geblieben, sei gestrichen worden. Stattdessen heiße es nun, die Wirtschaftsaktivität schiene nach dem 1. Quartal wieder anzuziehen. Ersetzt worden sei der Passus, dass mit restriktiverer Geldpolitik das Gremium "erwartet", die 2%-Zielmarke zu erreichen, durch den Passus, dass man "fest entschlossen" sei, dieses Ziel zu erreichen. Die Aussagen würden etwas von Hoffnung getrieben klingen.

Sehr viel spannender seien die Anpassungen bei den Zinsprojektionen gewesen: Demnach gehe das FOMC (im Median) nun für Ende 2022 von einem Zinssatz von 3,50% aus (bisher aus dem März: 1,75%), für 2023 von 3,75% (bisher: 2,75%) und für 2024 sogar bereits wieder von zwei Zinssenkungen auf dann 3,25%! Selbst alle "Tauben" im FOMC würden für einen Leitzins Ende 2022 von über 3% plädieren! Demnach plane das FOMC für dieses Jahr mit vier Sitzungen offenbar noch sieben Zinsanhebungen ein! Denkbar seien also 50 BP für Juli, September und November sowie 25 BP für Dezember.

Bemerkenswerterweise seien diese Erwartungssprünge vollzogen worden, obwohl die Projektionen für die PCE-Kerninflation in 2022 nur moderat von 4,1% auf 4,3% angehoben worden seien. Die BIP-Projektionen für 2022 und 2023 mit 1,7% (bisher 2022: 2,8%) seien heruntergenommen worden. Diese Projektionen seien zunächst einmal als "hawkishe" Nachrichten für die Finanzmärkte einzuschätzen - allerdings mit der gleichzeitigen Andeutung, dass eine bereits absehbare Konjunkturabschwächung in 2024 wieder ersten Zinssenkungen bedürfe. Motto: Was schneller steige, falle früher!

In der Pressekonferenz habe der "hawkish" auftretende Jerome Powell betont, dass die FED nicht mit den Zinsanhebungen stoppen werde, bevor es eine klare Folge monatlicher Rückgänge im CPI geben werde. Das sei eine klare Ansage, lege dem FOMC aber ein enges Korsett an. Zudem jeder die Wirkungsverzögerungen der Geldpolitik kenne (12-18 Monate?). Obwohl die US-Wirtschaft derzeit robust erscheine, sei das Risiko einer absehbaren Rezession jedenfalls mit gestern gestiegen.

So sei es nach Erachten der Analysten auch nicht sicher, dass es zu allen sieben Zinsanhebungen in 2022 kommen werde. Die Gefahr einer inversen Zinsstrukturkurve steige jedenfalls - und diese möchte die FED eigentlich vermeiden. Uns scheinen die Zweitrundeneffekte von Inflation und Zinsanhebungen auf die Konjunktur derzeit zu wenig beachtet zu werden, so die Analysten der Nord LB. Auch könne die FED nicht an der Energiepreisschraube drehen. Es steht uns ein ruckeliger Zins- und Konjunkturpfad bevor - ein wenig wie eine Mountain-Bike-Tour, bei der man auch noch nicht die Wege nach der nächsten Kuppe sieht, berichten die Analysten der Nord LB.

Auf der gestrigen FOMC-Sitzung habe die Federal Reserve die FED Funds Target Rate um 75 BP auf 1,75% angehoben. Auf diesen deutlichsten Zinsschritt seit nunmehr 1994 sei angesichts einer zuletzt im Mai auf 8,6% gestiegenen Inflationsrate im Vorfeld spekuliert worden. In den Zinsprojektionen gehe das FOMC (im Median) nun für Ende 2022 von einem Zinssatz von 3,50% aus (bisher vom März: 1,75%), für 2023 von 3,75% (bisher: 2,75%) und für 2024 gar von zwei Zinssenkungen auf dann 3,25%! Eine absehbare Konjunkturabschwächung bedürfe in 2024 also bereits erster Zinssenkungen!

Sogar alle "Tauben" im FOMC hätten für einen Leitzins Ende 2022 von über 3% plädiert! Demnach plane das FOMC für dieses Jahr mit vier Sitzungen offenbar noch sieben Zinsanhebungen ein! Denkbar seien also 50 BP für Juli, September und November sowie 25 BP für Dezember. Jerome Powell habe betont, dass nicht mit den Zinsanhebungen stoppen werde, bevor es eine klare Folge monatlicher Rückgänge im CPI geben werde. Angesichts der bekannten Wirkungsverzögerungen der Geldpolitik sei nach Erachten der Analysten das Risiko einer absehbaren Rezession jedenfalls gestiegen. (16.06.2022/alc/a/a)