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FED vertagt Zinswende, EZB hält sich mit Zinssenkungsentscheidungen zurück


06.02.24 11:36
ALTE LEIPZIGER Trust

Oberursel (www.anleihencheck.de) - Bei der ersten Zinssitzung des Jahres am 1. Februar hat die FED die Hoffnungen der Märkte auf schnelle Zinssenkungen vorerst einkassiert, so die Experten der ALTE LEIPZIGER Trust.

Die Währungshüter würden sich zur Bekämpfung der Inflation jedoch mehr Zeit einräumen. Wie erwartet sei das Leitzinsband weiterhin unverändert auf dem im Juli 2023 erreichten Plateau (5,25% - 5,50%) geblieben. Während der Teuerungsdruck in den vergangenen Monaten abgenommen habe, dürfte insbesondere der nach wie vor solide Arbeitsmarkt die FED zu einer vorsichtigen Haltung bewogen haben. Auf der anschließenden Pressekonferenz habe Jerome Powell die Erwartungen der Märkte bezüglich einer Zinssenkung bereits im März gedämpft. Der Fokus richte sich auf den Sommer. Dies entspreche der Erwartungshaltung der Experten.

Die Erwartungen einer Zinssenkung im März seien gedämpft worden, was zu einer kurzzeitigen Enttäuschung an den Kapitalmärkten geführt habe. Doch diese Enttäuschung habe nicht lange angehalten. Der Grund für die abwartende Haltung der FED könnte zunächst in der Robustheit des US-Wachstums liegen, das im Schlussquartal positiv überrascht habe.

Im Gegensatz zu Deutschland dürfte, Analysten zufolge, die US-Wirtschaft im Jahr 2024 um 2,1% wachsen, statt der zuvor geschätzten 1,8%. Gleichzeitig steige die Arbeitsproduktivität, was die Inflationsrisiken dämpfe und der FED einen gewissen Handlungsspielraum eröffne. Die positive Entwicklung an den Aktienmärkten habe eingesetzt, nachdem die Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung überraschend angestiegen seien, und die Hoffnungen auf Zinssenkungen im März seien erneut genährt worden.

Die Bewegungen an den Rentenmärkten seien nachvollziehbar, da es sowohl bei Bundesanleihen als auch bei US-Treasuries zwischenzeitlich zu spürbaren Renditerückgängen gekommen sei.

Die Rendite der 10-jährigen US-Staatsanleihe liege nun wieder um 4%, nachdem sie im Oktober 2023 noch 5% betragen habe. Dies werde nicht nur auf Zinsfantasien zurückgeführt, sondern auch auf eine ausgeprägte Flucht in sichere Anlagen (Safe Haven). Regionalbanken in den USA würden erneut unter Druck geraten, insbesondere nach der drastischen Kürzung der Dividendenzahlungen durch die New York Community Bank aufgrund von Verlusten. Erinnerungen an die Insolvenzen dreier Regionalbanken im März 2023 seien wach geworden. Diese hätten die Kapitalmärkte seinerzeit stark verunsichert.

Bei der ersten Zinsentscheidung 2024 habe sich EZB-Präsidentin Christine Lagarde im Hinblick auf den Fahrplan für Zinssenkungen erwartungsgemäß mit Aussagen zu Terminen zurückgehalten. Der Fokus der Pressekonferenz am 25. Januar habe vor allem auf der Betonung der Datenabhängigkeit zur Feinjustierung der weiteren Zinspolitik gelegen. Entscheidend für etwaige Zinssenkungen seien neben den Inflationszahlen vor allem die Lohnentwicklung und die Margen der Unternehmen. Auch die geopolitische Unsicherheit bleibe im Fokus. Die Leitzinsen habe die EZB wenig überraschend bei 4,50% (Hauptrefinanzierungssatz) bzw. 4,00% (Einlagensatz) belassen.

Die EZB habe sich im Januar vor allem darauf konzentriert, den eingeschlagenen Kurs fortzusetzen und die Spekulationen der Märkte nicht weiter anzuheizen. Deren Blick - wie auch derjenige der EZB - richte sich jetzt immer mehr auf den Sommer. Der Juni werde derzeit als die maßgebliche Sitzung für eine mögliche erste Zinssenkung gesehen. Die Experten würden ausgehen, dass die Datenlage die EZB in letzter Konsequenz dazu bringe, die Zinsen länger konstant zu halten. Das liege vor allem an einer dynamischeren Lohnentwicklung, die in einer hartnäckig höheren Teuerung resultiere.

Risiken würden auch von geopolitischen Konflikten wie den Kämpfen im Nahen Osten ausgehen, die die Lieferketten belasten würden. Die Energiepreise sollten wieder spürbar ansteigen. Die Experten würden daher die erste Zinssenkung um 25 Basispunkte somit erst im September 2024 erwarten. (Ausgabe Februar 2024) (06.02.2024/alc/a/a)