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FED steht unter (politischem) Druck!


15.06.22 09:15
La Française AM

Frankfurt am Main (www.anleihencheck.de) - Wie allgemein erwartet, wird der Offenmarktausschuss der US-Notenbank (Federal Open Market Committee, FOMC) auf seiner Sitzung am 14. und 15. Juni zum zweiten Mal in Folge die Zinssätze um 50 Basispunkte (Bp) anheben, so François Rimeu, Senior Strategist, La Française AM.

Die Federal Reserve werde ihre Zusammenfassung der Wirtschaftsprojektionen (SEP) aktualisieren, die höchstwahrscheinlich ein niedrigeres Wachstum und eine höhere Inflation signalisieren werde. Außerdem werde sie den neuen "Dot Plot" veröffentlichen, der auf einen aggressiveren Zinserhöhungskurs hindeuten dürfte.

Die Erwartungen von La Française AM:

- Der FOMC werde höchstwahrscheinlich das Federal-Funds-Zielband auf 1,25% - 1,50% anheben.

- Der Vorsitzende Jerome Powell werde eine Anhebung in ähnlicher Höhe für Juli bekräftigen. Die Experten von La Française AM gehen davon aus, dass dies so lange anhält, bis der Ausschuss überzeugende Anzeichen für eine nachlassende Inflation sieht. Sollte es weiterhin positive Überraschungen bei der Inflation geben, werde der Vorsitzende Powell nach Erachten der Experten eine weitere Anhebung um 75 Basispunkte nicht ausschließen.

- Die Experten von La Française AM rechnen damit, dass der "Median Dot" für dieses Jahr auf 2,875% nach oben korrigiert wird, was 50 Basispunkte im Juli und September widerspiegelt, gefolgt von weiteren Zinserhöhungen um 25 Basispunkte bis Jahresende. Für das nächste Jahr würden die Experten drei weitere Anhebungen (25 Basispunkte) auf 3,625% erwarten. Für 2024 würden sie damit rechnen, dass der "Median Dot" unverändert bei 3,625% bleibe. Die Experten würden nicht glauben, dass der "Median Dot" für 2024 Zinssenkungen zeigen werde, obwohl einige Marktteilnehmer mit Senkungen rechnen würden. Für den Endsatz von 2,5% würden sie keine Änderung erwarten.

- Was die neuen Wirtschaftsprognosen betreffe, würden die Experten für 2022 ein geringeres Wachstum von 2,8% bis 2,3% erwarten. Außerdem würden sie mit einem Rückgang der Wachstumsprognosen von 2,2% auf 1,8% im Jahr 2023 und von 2,0% auf 1,9% im Jahr 2024 rechnen. Die Experten würden davon ausgehen, dass der Ausschuss seine Prognose für die Inflationszahlen (Persönliche Konsumausgaben, PCE) revidiere und die Projektionen von 4,3% auf 5,4% im Jahr 2022 und von 2,7% auf 2,9% im Jahr 2023 erhöhe. Für 2024 würden die Experten nicht mit einer Korrektur der Inflationszahlen rechnen.

Der FED-Vorsitzende Powell müsse eine hawkishere Position einnehmen, insbesondere nach den Inflationszahlen der letzten Woche. Er dürfte bekräftigen, dass die oberste Priorität des FOMC darin bestehe, die Inflation zu senken, und dass die FED dementsprechend handeln werde, wenn nötig auch mit mehr Nachdruck. Die Experten von La Française AM gehen davon aus, dass sich die US-Kurve wieder abflachen wird; in Anbetracht der aktuellen Situation würde es sie nicht überraschen, wenn sich die US-Kurve in den kommenden Monaten deutlich umkehren würde. Die Experten würden auch davon ausgehen, dass die Realzinsen weiter steigen würden. (15.06.2022/alc/a/a)