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FED kann mit Zinssenkungen behutsam umgehen


12.02.24 10:39
Weberbank

Berlin (www.anleihencheck.de) - Die US-amerikanische Konjunktur straft bereits seit letztem Jahr alle Kritiker Lügen, so die Analysten der Weberbank.

Zuletzt seien erneut frische Daten zum US-Arbeitsmarkt gekommen, der sich weiterhin mit überraschender Stärke präsentiere. Pessimisten würden nun schon seit über einem Jahr auf eine Eintrübung der Konjunkturdynamik und Schwäche am Arbeitsmarkt warten, was der US-Notenbank (FED) eine Lockerung der geldpolitischen Zügel erlauben würde. Die anhaltende Stärke deute darauf jedoch nicht hin und bewege die Analysten dazu, ihre Konjunkturprognosen anzuheben.

Die Analysten würden nun erwarten, dass die US-Wirtschaft auch in diesem Jahr über ihrem langfristigen Wachstumstrend liegen sollte. Das bedeute auch, dass die FED sich alle Zeit nehmen und mit Zinssenkungen behutsam umgehen könne. Zwischenzeitliche Spekulationen am Markt, dass eine erste Zinssenkung schon im März erfolgen könnte, seien aus Sicht der Analysten übertrieben. Die Analysten würden nach wie vor mit einem ersten Schritt frühestens im Sommer rechnen.

Auf unserer Seite des Atlantiks gehen wir ebenfalls von einem ersten Zinsschritt seitens der Europäischen Zentralbank (EZB) frühestens im Sommer aus, so die Analysten der Weberbank. Die Gründe dafür seien jedoch ganz andere. Die Analysten würden weiterhin wenig Anzeichen für eine Konjunkturbelebung sehen und gleichzeitig insbesondere in der Kerninflation hartnäckig hohe Zahlen beobachten. Die EZB schaue hierbei insbesondere auf die starke Lohnentwicklung, die Sorgen vor weiteren Zweitrundeneffekten aufkommen lassen würden. Zusammengenommen sollte die EZB aus Sicht der Analysten daher auch behutsam bei Leitzinssenkungen vorgehen und eher später als verfrüht agieren.

Nach einem Jahrzehnt expansiver Geldpolitik stehe die globale Wirtschaft und Teile des Bankensystems jedoch auf etwas wackeligen Beinen. Das zeige der in den letzten Tagen verstärkt aufgekommene Stress bei US-Regionalbanken, der nun vermehrt auch nach Europa schwappe. Dabei würden Erinnerungen an letztes Jahr wach, als die Sorgen rund um die Silicon Valley Bank Nervosität an den internationalen Kapitalmärkten hervorgerufen habe. Durch gemeinsame Anstrengungen hätten die Aufsichtsbehörden die Situation innerhalb kürzester Zeit unter Kontrolle bekommen können. Nun stünden Kredite für Gewerbeimmobilien und in dem Bereich besonders exponierte US-Regionalbanken im Mittelpunkt der Sorgen.

Mit dem stark sinkenden Wert dieser Immobilien in den letzten Jahren würden viele Gesellschaften in Schieflage geraten und Probleme bekommen, ihre Kredite zu bedienen. Banken müssten nun hohe Abschreibungen tätigen und Kreditausfälle hinnehmen. Sowohl in den USA als auch in der Eurozone sollten insbesondere die großen und kapitalstarken Banken diese Probleme allerdings gut meistern können. Zwar dürfte die Profitabilität der betroffenen Banken teilweise vermindert werden, jedoch sollte die Solvabilität gewährleistet bleiben. Trotzdem würden die Analysten diesen Teil des Marktes weiterhin mit Argusaugen betrachten, um Anzeichen für systemische Risiken frühzeitig zu erkennen. Aktuell würden die Analysten die Lage als beherrschbar einschätzen, und die Aufsichtsbehörden würden die Situation genau überwachen, um gegebenenfalls unterstützend einzugreifen. Die Stabilität der Wirtschaft sollte nicht gefährdet sein.

Die Berichtssaison sei nach wie vor in vollem Gange. Die großen US-Technologiekonzerne scheinen keine Grenzen zu kennen und stellten erneut mit ihren veröffentlichten Zahlen alles in den Schatten, so die Analysten der Weberbank. Deutlich zweistelliges Umsatzwachstum und weiterhin hohe Margen würden alle anderen Unternehmen vergleichsweise blass aussehen lassen. Dennoch hätten die Berichte in den USA gezeigt: Alle Branchen hätten die Erwartungen übertreffen können, und die Unternehmen stünden in der Breite sehr solide da. Die Stimmung an den Aktienmärkten, insbesondere in den USA, sei demnach auf den ersten Blick geradezu euphorisch.

Auf den zweiten Blick würden jedoch zum Beispiel Small Caps auffallen, die einen schlechten Jahresstart erwischt hätten und aus Sicht der Analysten insbesondere von dem weiter starken Konjunkturbild unterstützt werden könnten. Dies gelte ebenso für nicht Technologiewerte im S&P 500, die bisher trotz guter Ergebnisse nicht so stark von der Rally hätten profitieren können. In Europa sehe das Bild etwas anders aus. Hier hätten vor allem Telekommunikations-Unternehmen, zyklische Konsumwerte und Unternehmen aus dem Grundstoffsektor enttäuscht. Auch das Konjunkturbild der Analysten liefere an dieser Stelle keinen positiven Impuls. Nichtsdestotrotz befinde sich auch der europäische Leitindex EURO STOXX 50 auf einem Höhenflug, wie man ihn seit über zwei Jahrzehnten nicht gesehen habe. (Ausgabe vom 09.02.2024) (12.02.2024/alc/a/a)