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FED mit größtem Zinsschritt seit 1994 - Wachstumsprognosen gesenkt


16.06.22 10:15
Der Aktionär

Kulmbach (www.anleihencheck.de) - Die US-Notenbank Federal Reserve hat ihren Leitzins - wie von einigen Analystenhäusern (JPMorgan, Goldman Sachs, Citigroup) erwartet - deutlich angehoben, so Carsten Kaletta vom Anlegermagazin "Der Aktionär".

Konkret habe sie die Spanne um 75 Basispunkte auf nun 1,50 bis 1,75 Prozent erhöht. Es sei der größte Zinsschritt seit 1994. Und: Die US-Währungshüter würden die Inflationsprognosen heben und zugleich die Wachstumsprognosen senken.

Dieser aktuelle Zinsschritt sei die dritte Erhöhung (Anm. der Red.: Die FED habe bereits im März um 25 und im Mai um 50 Basispunkte erhöht) des Leitzinses seit dem Beginn der Coronavirus-Pandemie und zugleich der größte Zinsschritt seit fast 30 Jahren. Für gewöhnlich ziehe es die US-Notenbank vor, den Leitzins in Schritten von 0,25 Prozentpunkten anzuheben.

Manche Analysten hätten aufgrund jüngster Daten zur anhaltend hohen Teuerungsrate in den vergangenen Tagen aber bereits gemutmaßt, dass die FED die Märkte mit einer Erhöhung um 0,75 Prozentpunkte überraschen könnte. An den Finanzmärkten sei eine Anhebung um einen dreiviertel Punkt eingepreist gewesen. "Erwarten Sie jedoch nicht, dass 75-Basispunkt-Anhebungen üblich werden", habe Powell nach der Zinssitzung der FED vor der Presse in Washington gesagt. Die künftigen Zinsschritte hätten von der konjunkturellen Lage abgehangen. Auf der nächsten Sitzung im Juli sei mit einer Anhebung um einen halben Prozentpunkt oder aber erneut 0,75 Punkte zu rechnen.

Zudem werde die US-Notenbank FED ihre Leitzinsen vermutlich wesentlich deutlicher anheben als bisher geplant. Der Leitzins dürfte Ende 2022 bei etwa 3,4 Prozent liegen, wie aus neuen Projektionen hervorgehe. Bisher habe die Schätzung bei 1,9 Prozent gelegen. Ende 2023 werde ein Leitzins von 3,8 erwartet, nachdem bislang ein Zins von 2,8 Prozent prognostiziert worden sei. Ende 2024 werde der Leitzins bei etwa 3,4 Prozent gesehen. Auch diese Erwartung liege deutlich höher als die bisherige.

Die FED sage außerdem in diesem Jahr ein deutlich geringeres Wirtschaftswachstum als noch vor drei Monaten angenommen voraus. Das US-BIP solle demnach um 1,7 Prozent wachsen - 1,1 Prozentpunkte weniger als noch im März prognostiziert. Die FED rechne im laufenden Jahr auch mit einer höheren Inflationsrate als zuvor angenommen. Diese Teuerungsrate solle trotz der geplanten Erhöhungen 2022 durchschnittlich bei 5,2 Prozent liegen. Aus Sicht von Notenbank-Chef Jerome Powell sei die " langfristige neutrale Rate in der Mitte des 2-Prozent-Bereichs".

Das Dilemma der FED: Die Teuerungsrate (8,6 Prozent im Mai) sei so hoch wie seit rund vier Jahrzehnten nicht mehr, was die Kaufkraft der Verbraucher schmälere. Die FED setze zur Eindämmung der Inflation auf Erhöhungen des Leitzinses. Dadurch würden sich Kredite verteuern, was die Nachfrage ausbremse. Das helfe dabei, die Inflationsrate zu senken, schwäche aber zugleich das Wirtschaftswachstum. (Ausgabe vom 15.06.2022) (16.06.2022/alc/a/a)