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FED: Zinssenkung im März vom Tisch


09.02.24 10:20
Hamburg Commercial Bank

Hamburg (www.anleihencheck.de) - Die Renditen der zehnjährigen Staatsanleihen in den USA und Deutschland legten zu Beginn der Woche kräftig zu, um dann anschließend orientierungslos zu verharren, so Dr. Tariq Chaudhry, Economist bei der Hamburg Commercial Bank.

Die Renditen der T-Notes seien um 30 Basispunkte gestiegen und hätten sich bei 4,11% stabilisiert. Die Bunds hingegen hätten einen kleineren Renditeanstieg von knapp 20 Basispunkten verzeichnet und sich bei 2,31% gehalten. Dieser Anstieg sei hauptsächlich durch den äußerst robusten Arbeitsmarktbericht und ein Interview von Powell verursacht worden, in dem er die Hoffnungen auf Zinssenkungen im März gedämpft habe. Die weiteren Daten in den USA hätten gemischte Signale gezeigt, wobei sich die Handelslücke im Jahr 2023 verringert habe, die Verschuldung der privaten Haushalte im vierten Quartal 2023 jedoch auf ein Rekordniveau gestiegen sei und die Auftragseingänge in der Industrie im Dezember ein langsameres Wachstum verzeichnet hätten. In Europa bleibe das Bild weiterhin getrübt, mit sinkenden Einzelhandelsumsätzen im Dezember und schrumpfenden Produktionszahlen in Deutschland. Einziger Lichtblick in Europa sei die erneute Verringerung der Inflationserwartungen im Dezember. Die Analysten der Hamburg Commercial Bank würden weiterhin keine Zinssenkungen bei den März-Meetings der FED und EZB erwarten.

In den USA bleibe die Gesamtsituation der Wirtschaft stabil, jedoch würden die Zahlen gemischte Signale zeigen. Im Januar 2024 habe die US-Wirtschaft einen bemerkenswerten Anstieg von 353.000 Arbeitsplätzen verzeichnet, verglichen mit einer nach oben korrigierten Zahl von 333.000 im Dezember und weit über den Markterwartungen von 180.000. Dies signalisiere, dass der Arbeitsmarkt weiterhin straff bleibe. Das Handelsdefizit habe sich im Jahr 2023 auf 773,4 Mrd. USD verringert, den niedrigsten Stand seit drei Jahren, was auf einen Rückgang der Importe um 3,6% zurückzuführen sei. Allerdings gebe die steigende Gesamtverschuldung der privaten Haushalte Anlegern Grund zur Besorgnis, da sie im vierten Quartal 2023 auf einen neuen Höchststand von 17,50 Billionen USD gestiegen sei. Die Auftragseingänge in der US-Industrie seien wie erwartet um 0,2% im Dezember 2023 gestiegen, nach einem Anstieg um 2,6% im November. Es bleibe abzuwarten, ob in der kommenden Woche auch eine höhere Industrieproduktion folge.

In Europa sei die konjunkturelle Lage deutlich gedämpfter. Die Einzelhandelsumsätze in der Eurozone seien im Dezember 2023 gegenüber dem Vormonat um 1,1% gesunken, was den schnellsten Rückgang seit einem Jahr darstelle. Dies sei auf die anhaltend hohe Inflation und gestiegene Kreditkosten zurückzuführen, die die Nachfrage belasten würden. Die Rezession in der Industrie halte insbesondere in der größten Volkswirtschaft Europas an, wo die deutsche Industrieproduktion im Dezember 2023 um 1,6% zurückgegangen sei, der vierte Rückgang in Folge und über den Erwartungen der Märkte. Die einzige positive Entwicklung im Euroraum sei die sinkende Inflationserwartung der Verbraucher, die im Dezember 2023 den niedrigsten Stand seit Februar 2022 erreicht habe, bei 3,2% gegenüber 3,5% im November. Außerdem hätten die südeuropäischen Länder Italien, Spanien und Griechenland gemäß den PMI-Indikatoren vom Januar gezeigt, dass sie (wieder) auf Wachstumskurs seien.

Die wirtschaftlichen Kennzahlen würden darauf hindeuten, dass die Eurozone schneller als die USA mit der ersten Zinssenkung reagieren sollte, da sich die Konjunktur und die Inflation deutlich verlangsamt hätten. Dennoch würden die Signale der EZB-Ratsmitglieder vorsichtig bleiben. Der Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank, Philip Lane, habe betont, dass die Rentabilität der Unternehmen sowie steigende Löhne die Entwicklung der Verbraucherpreise in diesem Jahr beeinflussen würden. Er habe die Hoffnung geäußert, dass Unternehmen einen Teil der gestiegenen Arbeitskosten absorbieren könnten, da sie es sich aufgrund hoher Gewinne leisten könnten. So könnten höhere Löhne zu einer relativ geringen Inflation führen. Im Gegensatz dazu habe der Vorsitzende der FED, Jerome Powell, unerwartet deutlich gemacht, dass die FED nicht in Eile sei, Zinssenkungen vorzunehmen. Er habe gesagt, dass es am Klügsten sei, der Situation Zeit zu geben und abzuwarten, ob die Daten bestätigen würden, dass die Inflation nachhaltig auf zwei Prozent sinke. Die Währungshüterin Loretta Mester habe diese Ansicht unterstützt und betont, dass die FED keine Eile verspüre, eine Zinswende einzuleiten, und dass drei Zinssenkungen im laufenden Jahr ein plausibles Szenario bleiben würden. Das entspreche der Zinsmeinung der Hamburg Commercial Bank. Für die EZB würden sie nur zwei Zinssenkungen erwarten.

Das Datenhighlight komme definitiv aus den USA. Hier würden die Analysten der Hamburg Commercial Bank die Inflationszahlen für Januar am 13. Februar erwarten. Ihr HCOB Nowcast gehe von einem leichten Rückgang um 0,7 Prozentpunkte auf 2,7% aus. Außerdem würden in den USA am 15. Februar die Einzelhandelsumsätze für den Januar veröffentlicht, die eine Standortbestimmung für das BIP zu Beginn des Jahres 2024 darstellen könnten. Weiterhin erwarte man am 15. Februar Produktionszahlen der US-Industrie für den Januar. Es werde spannend zu sehen sein, ob die US-Wirtschaft nach langer Durststrecke den ISM-Zahlen folgen und Wachstum aufweisen könne. In Europa schaue man auf die Zweitschätzung des BIPs am 14. Februar, die durchaus Überraschungen bereithalten könne. Es gebe Spekulationen darüber, dass in Frankreich und Irland durchaus etwas passieren könnte. (Wochenbarometer vom 08.08.2024) (09.02.2024/alc/a/a)