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FED-Zinsschritt von 75 Bp erwartet - Die Weltbank warnt vor einer Reihe von Finanzkrisen in 2023


20.09.22 11:00
Der Aktionär

Kulmbach (www.anleihencheck.de) - Morgen wird die US-Notenbank ihren Zinsentscheid verkünden, so Markus Bußler vom Anlegermagazin "Der Aktionär".

Laut dem FedWatch Tool würden 80 Prozent der Befragten mit einem weiteren Zinsschritt von 75 Basispunkten rechnen, 20 Prozent würden sogar von einer Anhebung um 100 Basispunkten ausgehen. Doch die Weltbank warne: Die aggressiven und gleichzeitigen Zinserhöhungen der Zentralbanken würden das Risiko einer Rezession und einer Reihe von Finanzkrisen im Jahr 2023 erhöhen.

Der globale Trend zu überdimensionierten Zinserhöhungen durch viele Zentralbanken stelle ein Risiko für die Weltwirtschaft dar. Ein derartiges Maß an Synchronität zwischen den Zentralbanken habe es in den letzten fünf Jahrzehnten nicht gegeben, so die Bank in einer Studie. Ihre Bemühungen seien jedoch keine Garantie dafür, dass die hartnäckig hohe Inflation auf das erforderliche Niveau zurückkehre.

"Die Investoren erwarten, dass die Zentralbanken die globalen geldpolitischen Zinssätze bis 2023 auf fast 4 Prozent anheben werden - ein Anstieg von mehr als 2 Prozentpunkten gegenüber dem Durchschnitt von 2021", heiße es in dem Bericht. "Wenn die Angebotsstörungen und der Druck auf dem Arbeitsmarkt nicht nachlassen, könnten diese Zinserhöhungen dazu führen, dass die globale Kerninflationsrate (ohne Energie) im Jahr 2023 bei etwa 5 Prozent liegt - fast doppelt so hoch wie der Fünfjahresdurchschnitt vor der Pandemie."

"Das globale Wachstum verlangsamt sich drastisch, und eine weitere Verlangsamung ist wahrscheinlich, da immer mehr Länder in die Rezession fallen. Ich bin zutiefst besorgt, dass diese Trends anhalten werden, mit langanhaltenden Folgen, die für die Menschen in den Schwellen- und Entwicklungsländern verheerend sind", habe der Präsident der Weltbankgruppe David Malpass gesagt.

Um die Inflation in den Griff zu bekommen, schlage die Weltbank vor, die Produktion anzukurbeln, anstatt den Verbrauch durch Zinserhöhungen zu senken. "Die Politik sollte darauf abzielen, zusätzliche Investitionen zu generieren und die Produktivität und Kapitalallokation zu verbessern, die für Wachstum und Armutsbekämpfung entscheidend sind", habe Malpass erklärt.

Eine globale Rezession sei sehr wahrscheinlich, wenn man mehrere historische Indikatoren berücksichtige, so der Bericht weiter. "Die drei größten Volkswirtschaften der Welt - die Vereinigten Staaten, China und der Euroraum - haben sich stark verlangsamt. Unter diesen Umständen könnte selbst ein moderater Rückgang der Weltwirtschaft im nächsten Jahr in eine Rezession münden", so die Bank.

Die Zinsanhebungen weltweit könnten sich natürlich negativ auf die Wirtschaft auswirken. Das Problem sei dabei: Es sei nicht klar, ob die Zinsanhebungen wirklich die Inflation verlangsamen würden, da die Inflation von allem auf Angebotsengpässen basiere. Deshalb erscheine der Vorschlag der Weltbank, lieber die Produktivität zu verbessern, durchaus sinnvoll.

Bitte beachten Sie auch Informationen zur Offenlegungspflicht bei Interessenskonflikten im Sinne der Richtlinie 2014/57/EU und entsprechender Verordnungen der EU unter folgendem Link. (20.09.2022/alc/a/a)