FED-Zinsentscheid: Das Hoch im Zinszyklus kommt in Sicht, die Inflation bleibt ein großes Problem


16.06.22 10:30
Degussa Goldhandel

München (www.anleihencheck.de) - Der Rat der US-Zentralbank (FED) hat den Leitzins um 0,75 Prozentpunkte ("großer Zinsschritt") auf nunmehr 1,25 bis 1,75% angehoben, so Dr. Thorsten Polleit, Chefvolkswirt bei Degussa Goldhandel.

Angesichts der hohen US-Konsumgüterpreisinflation (im März '22 habe sie 8,6 Prozent betragen) sei der US-Leitzins nach wie vor relativ niedrig, der Realzins befinde sich nach wie vor weiter unterhalb der Nulllinie.

Die FED habe zudem ihre "eigene Leitzinsprognose" (J) auf 3,4% Ende 2022 angehoben von bisher 1,9%. Für 2023 prognostiziere sie ihren Leitzins auf 3,8% (bisher 2,8%) und für 2024 auf 3,4% (von bisher 2,8%). Langfristig gehe sie von einem Leitzins von 2,5% aus. Zwei Botschaften würden damit transportiert:

(1) Die Räte der FED würden signalisieren, dass der Realzins (also Leitzins abzüglich der Inflation) rascher aus dem Negativbereich herauskommen werde als bisher prognostiziert - und zwar weil vor allem auch die Inflation kräftig zurückgehen werde.

(2) Die FED-Räte würden zudem vermitteln: Die jetzt in Aussicht gestellten Zinsanhebungen seien mehr oder weniger vereinbar mit den von den Märkten bereits eingepreisten Zinserwartungen. Salopp gesagt: Noch zwei große Leitzinserhöhungen, und der Zinszyklus habe seinen Hochpunkt erreicht.

Den Finanzmärkten werde es sehr gefallen, dass die FED keine zinspolitische Vollbremsung anstrebe, dass sie ganz offensichtlich bestrebt sei, die Inflation nicht durch eine Rezession herunterzubringen; dass die FED vermutlich sogar geneigt sei, höhere Inflation für länger zuzulassen, um eine Rezession zu vermeiden.

Die wichtige Frage laute hier: Warum sollte sich die aktuell sehr hohe Inflation eigentlich drastisch abschwächen, wie die FED es prognostiziere, wenn die FED doch ihren Leitzins nicht auf "außergewöhnliche Höhen" treibe? Der Verdacht liege nahe, dass die FED weniger entschieden sei, die Inflation zu senken, als sie es in der Öffentlichkeit vorgebe; und dass dadurch die Inflation ein großes Problem bleiben werde. (Die Verlässlichkeit der "FED-Selbstprognosen" (J) sollte man also mit einer gehörigen Portion Skepsis zur Kenntnis nehmen.)

Es sei an dieser Stelle betont, dass sich Inflation und Wachstum sich nicht gegeneinander ausspielen lassen würden. Inflation beruhe auf Täuschung, und in der Regel fliege ein inflationäres Täuschungsmanöver früher oder später auf - und das führe dann meist zu einer schweren Wirtschafts- und Finanzkrise. Der Anleger sollte sich also angesichts des geldpolitischen Kurses der FED nicht in Sicherheit wiegen.

Die US-Zinskurve sei mittlerweile sehr "flach" geworden: Die 2-jährige Rendite liege bei 3,33%, die 10-jährige bei 3,40%, die 30-jährige ebenfalls bei 3,40%. Die Märkte würden erwarten, dass die Zinsen nicht mehr viel weiter steigen würden; und dass die Rezessionsgefahr der US-Wirtschaft zunehme.

(Übrigens: Im Euroraum habe schon die Ankündigung der EZB, die Anleiheeinkäufe einstellen und die Zinsen anheben zu wollen, zu heftigen Turbulenzen im Markt für Euro-Staatsanleihen geführt. Nachdem zeitweise italienische Anleihen keine Käufer mehr gefunden hätten (!), habe die EZB in einer "Notfallsitzung" beschlossen, den strauchelnden Staaten zu helfen (indem die EZB künftig fällige Anleihebeträge in die Anleihen der Problemländer, derzeit allen voran Italien, Spanien und Portugal, "reinvestiert"). Man müsse daher befürchten: Die Euro-Zinsen würden nicht wirklich steigen, die Inflation werde noch lange hoch bleiben.)

Der ein oder andere Edelmetallanleger frage sich vielleicht, warum im aktuellen Umfeld die Preise für Gold und Silber nicht viel höher seien. Ein Grund könnte sein, dass die Investoren die bestehenden Risiken im internationalen Fiat-Geldsystem immer noch unterschätzen würden. Man möge es vielleicht nicht glauben: aber das Vertrauen in das bestehende System sei bei vielen Menschen nach wie vor relativ hoch, auch wenn die Fiat-Geld-Charade Risse bekomme (wie vor allem in Japan und im Euroraum).

Auch wenn die Preise für Gold und Silber sich seit geraumer Zeit nicht stetig nach oben bewegen würden: Die Wahrscheinlich, dass es irgendwann zu einer ruckartigen Bewegung der Edelmetallpreise nach oben kommt werde, nehme dadurch zu. (siehe hierzu Degussa Marktreport https://www.degussa-goldhandel.de/wp-content/uploads/2022/06/degussa-marktreport-09-06-2022.pdf, S. 1-3). Die aktuellen Preise für physisches Gold und Silber seien aus Sicht der Experten für langfristig orientierte Anleger attraktiv, um Position auf- und auszubauen. (Ausgabe vom 15.06.2022) (16.06.2022/alc/a/a)






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