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FED-Sitzung: Fünf Zinssenkungen in 2024 ab Mai?


01.02.24 11:15
AB

München (www.anleihencheck.de) - Das Federal Open Market Committee hat die Leitzinsen unverändert bei 5,25 bis 5,50 Prozent belassen, wie es ja bereits im Vorfeld erwartet wurde, so Eric Winograd, Director - Developed Market Economic Research bei AllianceBernstein (AB).

Interessant sei jedoch, dass die Währungshüter die Möglichkeit von Zinssenkungen in Aussicht gestellt hätten - auch wenn sie betont hätten, dass die endgültige Entscheidung zum Beginn des Lockerungszyklus aktuell noch nicht gefallen sei. Das Komitee sei also durchaus gewillt, die Zinsen zu senken, jedoch aktuell noch nicht bereit, diesen Schritt zu gehen. Es gebe weiterhin die Sorge, dass die Inflation, obwohl deutlich niedriger als zuvor, sich bei einer Marke von über 2,0 Prozent festsetzen könnte. Die Währungshüter wollten auf jeden Fall sicherstellen, ihre Zielmarke zu erreichen. Aktuell scheine das Komitee noch nicht zu dem Schluss zu kommen, dass die Geldpolitik lange genug restriktiv gewesen sei, um dies zu gewährleisten. FED-Chef Jerome Powell habe angedeutet, dass die FED noch nicht von einer Zinssenkung im März ausgehe. Er schließe es zwar nicht aus, aber es sei wahrscheinlich, dass es mehr als zwei Monate zusätzliche Inflationsdaten benötige, um die erste Senkung auszulösen.

Jerome Powell habe in seiner Pressekonferenz gesagt, dass zwar die vergangenen sechs Monate der Inflationsdaten ausreichen würden, um eine Zinssenkung auszulösen, dafür müsste das Komitee jedoch "mehr gute Daten" sehen. Das sei in gewisser Weise dovish: Das Komitee müsse keine verbesserten Inflationsdaten sehen, sondern brauche nur eine Fortsetzung der aktuellen Entwicklung für einen längeren Zeitraum. Andererseits habe Jerome Powell auch gesagt, dass es nicht das "Basis-Szenario" sei, im März eine Senkung vorzunehmen. Dies lasse sich durchaus als hawkish betrachten. Wenn zwei weitere Monate nicht ausreichen, braucht es dann drei weitere - oder sogar vier? Das wäre das Treffen im Juni. Die Märkte und Medien würden in den nächsten Wochen und Monaten sicher darüber spekulieren, wann die erste Zinssenkung komme. Ich persönlich bin der Meinung, dass dies nichts bringt, so Eric Winograd von AllianceBernstein. Niemand, einschließlich der FED, kenne die Antwort, selbst wenn man von konsistenten Daten ausgehe - immerhin habe der aktuelle Zyklus mehrfach gezeigt, dass diese Annahme nicht valide sei.

Da jedoch eine Prognose von mir erwartet wird, ziehe ich meine Einschätzung für die erste Zinssenkung von Juni auf Mai vor, so Eric Winograd von AllianceBernstein. Der Grund dafür sei, dass er ein wachsendes Vertrauen des Komitees in die mittelfristige Inflationsentwicklung sehe. Bis Mai habe das Komitee drei zusätzliche Monate an Inflationsdaten, dies sollte ausreichen. Anstelle einer Senkung im März könnten wir eine weitere Lockerung im Jahr 2024 sehen. Die Experten würden denken, dass fünf Senkungen für das Jahr immer noch die richtige Anzahl sei; ihre Vermutung sei, dass die FED nach dem Start des Zyklus etwas früher ein Treffen auslassen werde, anstatt bei jedem einzelnen Treffen eine weitere Senkung vorzunehmen.

Trotzdem dürfte der genaue Zeitpunkt der ersten Zinssenkung - und ob sich das Komitee für fünf oder sechs Senkungen entscheide, für niemanden wirklich wichtig sein. Für diejenigen mit einem längerfristigen Horizont sei es wichtiger - außer vielleicht kurzfristige Trader, die auf die einzelnen FED-Sitzungen spekulieren würden. Wichtiger sei, dass die FED bereit sei zu senken. Diese Rückkehr zu einer ausgewogeneren Geldpolitik bedeute, dass die Währungshüter im Falle einer Verlangsamung der Wirtschaft in einer guten Position seien, um Unterstützung bieten zu können. Dies sei in den vergangenen Quartalen nicht der Fall gewesen, als die FED noch gegen die Inflation habe ankämpfen müssen - und sei durchaus eine wichtige Stütze für die Finanzmärkte.

Bei der Betrachtung der nächsten Quartale der Geldpolitik werde ist wichtig, die langfristigen Ziele der FED im Auge zu behalten. Wie alle Zentralbanken versuche die FED, die Wirtschaft ins Gleichgewicht zu bringen und sie dort so lange wie möglich zu halten. Die FED-Definition für Gleichgewicht in den USA sehe folgendermaßen aus: ein BIP-Wachstum von etwa 1,75 bis 2,0 Prozent, eine Arbeitslosenquote von 4,0 bis 4,25 Prozent und eine Inflationsrate von 2,0 Prozent. Der Politikzinssatz, den die FED für notwendig halte, um die Wirtschaft im Gleichgewicht zu halten, liege bei 2,50 bis 3,0 Prozent. Das BIP-Wachstum liege heute leicht über diesem Bereich, und die Arbeitslosenquote befinde sich am unteren Ende ihres Gleichgewichtsbereichs. Zwar sei die Inflation immer noch zu hoch, sie sei jedoch schnell gesunken und dürfte in den kommenden Quartalen ihren Zielwert erreichen.

In diesem Stadium steche vor allem der Leitzins hervor - der heutige Zinssatz sei etwa doppelt so hoch wie der, den die FED für konsistent mit dem Erreichen des Gleichgewichts halte, viel weiter entfernt als alle anderen Variablen. Das sei - mehr als alles andere - der Grund, der für Zinssenkungen spreche. Wenn die Wirtschaft im Gleichgewicht sei, der Leitzins aber nicht, würde das die Wirtschaft wahrscheinlich in einen Zustand mit langsamerem Wachstum und einer höheren Arbeitslosenquote drängen. Das sei nichts, was die FED möchte. Vielmehr strebe die FED an, die Zinsen wieder in Richtung Gleichgewicht zu senken und dies schnell genug zu tun, um unnötige wirtschaftliche Folgen zu verhindern. Die Experten von AllianceBernstein denken, das Rezept dafür ist ein stetigen Senkungszyklus, der in den nächsten Monaten beginnt und dauert, bis der Leitzins wieder auf 3,0 Prozent oder etwas darunter liegt. Da die Wirtschaft stark sei, sei es wahrscheinlich, dass die FED allmählich zu ihrem Gleichgewicht zurückkehren könne, ohne angesichts nachlassenden Wachstums entweder aggressiv zu senken oder als Reaktion auf ein negatives wirtschaftliches Ergebnis unter neutral senken zu müssen. Wenn das gut gehe, wäre das die Definition einer weichen Landung.

Abgesehen von der Zinsentscheidung habe das FOMC bei der heutigen Sitzung auch die Bilanzpolitik in den Fokus genommen. Das Komitee beabsichtige, auf seiner März-Sitzung eine eingehendere Diskussion über die Bilanz zu führen. Die Experten von AllianceBernstein interpretieren die Bemerkungen von Jerome Powell zur Bilanz so, dass die FED bis zur März-Sitzung einen Plan für die späteren Phasen der quantitativen Straffung vorlegen wird. Sie würden höchstwahrscheinlich das Tempo der quantitativen Straffung reduzieren, indem sie die Menge, um die die Bilanz in einem bestimmten Monat schrumpfe, verringern würden. So würden sie das Risiko von Turbulenzen auf den Geldmärkten reduzieren, wie es beispielsweise am Ende der quantitativen Straffung im Jahr 2019 zu beobachten gewesen sei. Die Protokolle der heutigen Sitzung scheinen starke Hinweis zu geben, was die Pläne der FED sind, so die Experten von AllianceBernstein. Die März-Sitzung könnte dann dazu dienen, diese Pläne offiziell zu bestätigen. Gleichzeitig sei jedoch auch möglich, dass das Komitee im März einfach diskutieren und entscheiden werde, ohne im Voraus spezifische Anweisungen zu geben. Wie auch immer, die Experten würden keine bedeutenden wirtschaftlichen oder marktbezogenen Auswirkungen dieser Pläne erwarten. (01.02.2024/alc/a/a)