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FED: Keine Pause, kein Kurswechsel


03.11.22 12:15
Janus Henderson Investors

London (www.anleihencheck.de) - Die Entscheidung des Offenmarktausschusses (Federal Open Market Committee, FOMC), zum vierten Mal in Folge die Zinsen um 75 Basispunkte anzuheben, entsprach weitgehend den Konsenserwartungen, so Paul O'Connor, Head of Multi-Asset bei Janus Henderson Investors.

Die große Frage vor der Sitzung sei gewesen, ob die FED gewillt sein würde, zu signalisieren, dass sie das Tempo der Zinserhöhungen verlangsamen, oder ob sie sogar andeuten würde, dass sich die Zinsen ihrem Höchststand nähern würden. Jerome Powell habe zwar durchblicken lassen, dass sich das Tempo der Zinserhöhungen von nun an wahrscheinlich verlangsamen würde, doch sei dies gleichzeitig mit mehreren hawkishen Botschaften verbunden gewesen. Der Präsident habe darauf hingewiesen, dass "kontinuierliche Erhöhungen" erforderlich seien, um die Zinssätze "ausreichend restriktiv" zu gestalten, und dass die FED-Erwartungen für die Endzinsen in diesem Zyklus seit dem FOMC im September gestiegen seien.

Aus Sicht des Risikomanagements spreche einiges dafür, dass die FED die Dinge von nun an langsamer angehen werde. Die US-Zinsen seien in diesem Jahr ungewöhnlich schnell gestiegen und würden bereits ihren Tribut auf dem Immobilienmarkt und in anderen zinssensiblen Bereichen der US-Wirtschaft fordern. Die wirtschaftliche Dynamik in diesen Bereichen dürfte sich in den kommenden Quartalen weiter abschwächen, wenn die jüngsten und künftigen Erhöhungen der Leitzinsen, Hypothekenzinsen und Anleiherenditen ihre Wirkung entfalten würden. Einige andere große Zentralbanken hätten bereits begonnen, das Tempo ihrer Zinserhöhungen zu verlangsamen, um auf die Bedenken und Überlegungen zur Finanzstabilität zu reagieren.

Dennoch sei, wie Powell angedeutet habe, das Ziel des Zinszyklus wahrscheinlich wichtiger als seine Geschwindigkeit. Die Marktschätzungen für den Endzins würden noch keine Anzeichen für einen Höchststand zeigen. Obwohl sich die US-Wirtschaft zu verlangsamen beginne, bleibe die Inflation hartnäckig hoch und der Arbeitsmarkt sei immer noch sehr angespannt. Auch wenn alles darauf hindeute, dass sich die Inflation von nun an verringern werde, sei es unwahrscheinlich, dass die US-Notenbank dovishe Maßnahmen ergreife, solange es keine eindeutigen Beweise dafür gebe. Bei der nächsten FOMC-Sitzung der Zentralbank im Dezember dürfte die Lage klarer sein. Bis dahin würden zwei weitere Verbraucherpreisinflationsberichte und zwei Beschäftigungsberichte vorliegen und die wirtschaftlichen Auswirkungen der US-Zwischenwahlen in der nächsten Woche verarbeitet sein.

Nach der üblichen Volatilität während des FOMC-Tages seien die Markterwartungen für künftige Zinssätze heute leicht gestiegen, wobei die meisten Zinssätze für 2023 neue Zyklus-Höchststände erreicht hätten. Die Futures-Preise würden darauf hindeuten, dass die FED die Zinsen im Dezember um etwa 50 Basispunkte und im ersten Quartal um einen ähnlichen Wert auf einen Höchststand von etwa 5% anheben werde. Da die Zinserwartungen nun realistisch erscheinen, dürfte die Duration von Anleihen in Multi-Asset-Portfolios wieder eine wichtige Rolle spielen, so die Experten von Janus Henderson Investors. Ein weiterer Anstieg der Anleiherenditen dürfte sich selbst begrenzen, was darauf hindeute, dass Duration-Assets bei Kursrückgängen gekauft werden sollten. Bei den Risikoanlagen sei Geduld gefragt. Die Aktienbewertungen erscheinen im Vergleich zu den Realrenditen von Anleihen immer noch hoch und die Gewinnprognosen sind nach wie vor gefährdet, da die Geldpolitik wirkt und sich das Wachstum weiter verlangsamt, so die Experten von Janus Henderson Investors. (03.11.2022/alc/a/a)