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FED im Fokus, aber auch wegweisende US-Makro-Indikatoren stehen auf der Agenda


14.06.22 10:15
DONNER & REUSCHEL AG

Hamburg (www.anleihencheck.de) - im Zentrum des öffentlichen Interesses steht in dieser Woche eindeutig die US-Notenbank FED, nachdem zuletzt mit 8,6 Prozent eine überraschend hohe Mai-Inflationsrate für die USA vermeldet wurde, so Carsten Mumm, Chefvolkswirt bei der Privatbank DONNER & REUSCHEL.

Es werde immer offensichtlicher, dass die Notenbanker der dynamischen Inflationsentwicklung deutlich hinterherlaufen würden, wodurch die Befürchtung noch stärker als bisher erwartet steigender Leitzinsen zu einem massiven Einbruch der Aktienkurse an den internationalen Börsen geführt habe. Und tatsächlich nehme die Gefahr einer Rezession in den USA zu, vor allem mit jedem Tag anhaltend hoher Preisniveausteigerungen für den für die US-Wirtschaft maßgeblichen privaten Konsum, die die positiven Effekte des nahezu voll ausgelasteten Arbeitsmarkts und der deutlich steigenden Nominallöhne relativieren würden.

Ebenfalls werde im Laufe der Woche der aktuelle NAHB-Hauspreisindex veröffentlicht, der angesichts stark gestiegener Hypothekenzinsen zuletzt schon auf den tiefsten Stand seit Mitte 2020 abgesackt sei. Da sowohl nachgebende Aktienkurse als auch fallende Hauspreise die Vermögensposition vieler Menschen verschlechtern würden, werde die Konsumentenstimmung weiter geschwächt.

Der Balanceakt zwischen der passenden Reaktion auf die aktuellen Inflationsdaten sowie der Zielsetzung, die wirtschaftliche Dynamik nicht abzuwürgen werde immer diffiziler. Daher dürfte ein noch größerer Zinsschritt in dieser Woche mit einer Leitzinsanhebung um 0,75 Prozentpunkte, die bereits Viele erwarten würden, zu weiteren Abschlägen bei Aktien führen. Die FED wäre daher gut beraten, den ohnehin historisch beispiellos rasanten Leitzinsanstieg nicht zu dynamisch ausfallen zu lassen, um die verzögert in der Realwirtschaft eintretende Wirkung zu beobachten und kein zu heftiges Bremsmanöver mit der Folge einer Rezession zu provozieren.

Hinzu würden globale Belastungsfaktoren kommen, die außerhalb des Einflussbereiches der FED lägen, aber eine zusätzliche Schwächung der US-Wirtschaft erzeugen dürften, allen voran die Schwäche der chinesischen Konjunktur im zweiten Quartal aufgrund massiver Corona-Restriktionen. Da sich bisher keine Abkehr Pekings von der rigorosen Null-COVID-Strategie abzeichne, sei die Wahrscheinlichkeit hoch, dass auch im Mai die Anlageinvestitionen, die Industrieproduktion sowie die Einzelhandelsumsätze für China schwach vermeldet würden und exportorientierte US-Unternehmen zusätzlich belasten würden.

An den Börsen dürfte die Stimmungslage vorerst entsprechend gedämpft bleiben. Allerdings sei der Pessimismus gemessen an verschiedenen Stimmungsindikatoren wie bspw. dem AAII Investor Sentiment Survey in den USA bereits sehr negativ - und es werde entsprechend viel Liquidität gehalten. Die Wahrscheinlichkeit für eine zumindest kurzfristige schnelle und positive Gegenreaktion im Falle nur leicht besserer als erwarteter Indikatoren steige damit deutlich. (14.06.2022/alc/a/a)