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FED: Erneute Erhöhung um 75 Basispunkte erscheint als die wahrscheinlichste Option


16.09.22 13:41
Raiffeisen Bank International AG

Wien (www.anleihencheck.de) - Die US-Verbraucherpreise stiegen im August stärker als erwartet, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG (RBI).

Sinkende Spritpreise hätten im Vorfeld der Inflationsveröffentlichung Hoffnung geschürt, dass der allgemeine Preisdruck nachlassen könnte, was sich auch in sinkenden Inflationserwartungen widergespiegelt habe. Der Rückgang der Energiepreise habe auch dazu geführt, dass die Gesamtrate der Inflation von 8,5% im Juli auf 8,3% p.a. im August gesunken sei. Der Blick falle aber sehr schnell auf den Anstieg der Kernrate von 5,9 auf 6,3% p.a., was zudem einem Anstieg der monatlichen Dynamik bedeute (0,6% p.m.).

Mit der Ausnahme von Flugpreisen sei die Preisdynamik in den Warengruppen der Kernrate breit angelegt gewesen und auch wenig volatile Kategorien (wie etwa Unterkunft) hätten erhöhte Zuwachsraten gezeigt. In Summe sei der Rückgang der Gesamtrate und der gleichzeitige Anstieg der Kernrate nicht unerwartet gewesen, die Bestätigung, dass der zugrundeliegende Preisdruck aber anhaltend hoch bleibe, habe dennoch eine ausgeprägte Marktreaktion mit sich gezogen.

Treasury Renditen seien deutlich angestiegen, insbesondere im kurzfristigen Laufzeitensegment, sodass sich die Inversion der Treasury-Kurve verstärkt habe. Die 10-jährige Treasury-Rendite liege nun bereits 40 Basispunkte unter dem 2-jährigen Pendant. Auch EUR/USD habe im Zuge des Repricing nachgegeben und sei zurückgefallen zur Parität. In Hinblick auf die bevorstehende Zinssitzung der Federal Reserve erscheine nach den jüngsten Inflationsdaten eine erneute Erhöhung um 75 Basispunkte als die wahrscheinlichste Option. Auch die tendenziell resilientere US-Konjunktur spreche dafür, dass sich die FED voll und ganz der Inflationsbekämpfung widmen könne.

Auf der bevorstehenden Zinssitzung werde auch ein neues Set an Prognosen veröffentlicht, bei denen abermals eine Anhebung des erwarteten Zinszyklus möglich sei. Zuletzt habe der Median der FOMC-Mitglieder für Ende 2023 / 2024 bei 3,8 / 3,4% gelegen, wobei der Markt auf Basis der OIS-Kurve aktuell 4,3 / 3,4% preise. Die Analysten würden erwarten, dass das FOMC an ihrer hawkishen Ausrichtung festhalte, solange realisierte Inflationsdaten und Inflationserwartungen keine Entspannung signalisieren würden. Ein stärkeres Frontloading als die Prognosen der Analysten derzeit widerspiegeln würden, sei somit möglich.

Am Datenkalender würden die Schnellschätzungen der Einkaufsmanagerindices (PMI) hervorstechen. In den USA gebe der beispiellose Unterschied zwischen der ISM und der S&P Umfrage für den Dienstleistungsbereich Rätsel auf. Es werde spannend, ob der anstehende S&P PMI mit einem Satz nach oben die riesige Lücke verkleinere und Abschwungssorgen verringere. Auch in der Eurozone würden sich die Umfragewerte sowohl für das Verarbeitende Gewerbe als auch für den Dienstleistungsbereich im Abwärtstrend befinden. Dieser dürfte sich im September fortgesetzt haben.

In vielen Industriesektoren stelle der enorme Gas- und Strompreisanstieg eine große Herausforderung dar. Es dürfte zunehmend schwierig sein, die Kostenanstiege in die Endpreise überzuwälzen, ohne dabei die Nachfrage zu beschädigen. Gleichzeitig laufe der ehemalige Rückenwind einer während den Corona-Lockdowns erhöhten Güternachfrage aus. Somit werde der Arbeitsrückstand Zug um Zug abgearbeitet, ohne dass im selben Umfang Neubestellungen nachfolgen würden. Zuletzt sollte ein technisches Detail den Gesamtindex drücken. Die Wartezeiten für Vorprodukte seien zwar noch immer länger als normal, würden aber abnehmen.

Die entsprechende Teilumfrage dürfte erneut eine gewisse Verringerung der Lieferzeiten signalisieren, was in der Berechnung des Gesamtindex negativ einfließe. Der Dienstleistungsbereich profitiere einerseits von der Normalisierung der Konsummuster. Andererseits würden knappe Arbeitskräfte und die Energiekostenexplosion für nicht wenige Dienstleister den dominierenden Faktor darstellen.

Zudem könnte ein Großteil des Post-Lockdown Aufholbedarfs bereits im Sommer erfolgt sein (Tourismus - Hochsaison). Die Analysten würden daher in Summe auch im Dienstleistungsbereich von einem wolkenverhangenen Herbst / Winter ausgehen. Entsprechende Signale sende schon seit vielen Monaten das Konsumentenvertrauen aus, welches sich sogar stärker als während der Corona- oder Finanzkrise Krise eingetrübt habe. Die Verbesserung im August würden die Analysten für eine verspätete Sommerschwalbe halten - sie würden mit einer Stimmungsverschlechterung auf ein neues Tief rechnen. (16.09.2022/alc/a/a)