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FED-Entscheidung: Eine harte Landung wird unumgänglich


22.09.22 14:15
M&G Investments

London (www.anleihencheck.de) - 75 Basispunkte - genau wie erwartet, so Eva Sun-Wai, Fondsmanagerin im Public Fixed Income Team von M&G Investments.

Und kein Ende in Sicht: An den Aktienmärkten habe man sich wohl einen ersten Hinweis darauf erhofft, wann es vorbei sein werde mit den Zinserhöhungen, aber ganz im Gegenteil. Die FED habe heute eine Fortsetzung ihrer Politik signalisiert.

Aktien schienen etwas pessimistischer zu reagieren als Anleihen, aber im Allgemeinen seien 75 Basispunkte mehr gewesen als eingepreist, und 2-jährige Anleihen würden sich jetzt um die Vier-Prozent-Marke bewegen. Wenn der Schritt in den Schlagzeilen als eher restriktiv dargestellt werde, dann am ehesten, weil die FED für November einen möglichen weiteren Schritt in derselben Größenordnung angekündigt habe und damit nahelege, dass die Inflation noch nicht den Gipfel erreicht habe - und weniger, weil sie die Zinsen zum dritten Mal in Folge um 75 Basispunkte angehoben habe. Letzteres sei wenig überraschend, äußere sie sich doch seit einer Weile schon "draghi-artig" in dem Sinne, dass sie "alles tun" werde, um die Inflation zu senken.

Die Medien würden warnen, die Hoffnung auf eine "weiche Landung" werde zunehmend illusorisch. Sun-Wai selbst denke, man könne inzwischen mit Fug und Recht behaupten, dass eine harte Landung unumgänglich werde und wir in der nächsten Phase des Konjunkturzyklus eine Form von Abschwung erleben würden. Die FED habe hier wohl mehr Spielraum als etwa Europa, denn die USA seien der Volatilität der Energie- und Rohstoffpreise weniger direkt ausgesetzt, die Europa in Zugzwang bringe. Solange der Arbeitsmarkt stark bleibe, schienen die USA weniger Bedenken zu haben, die Wirtschaft zu einem niedrigeren BIP zu zwingen.

Auffallend sei die Entschlossenheit der FED, sich auf das Inflationsziel von zwei Prozent festzulegen. Sun-Wai habe eher den Eindruck, dass die Zentralbanken zumindest mittelfristig ihre Ziele nach oben korrigieren müssten, um manchen wenig flexiblen Posten in den Inflations-Warenkörben Rechnung zu tragen. Gegebenenfalls müssten sie akzeptieren, dass die Inflation für eine Weile höher liegt werde, als wir es in den letzten Jahrzehnten gewohnt gewesen seien. Das bisherige Ziel von zwei Prozent erscheine aus drei Gründen unrealistisch: Dazu würden die weltweite Verschärfung der Geldpolitik nach der Pandemie, die weiterhin anhaltenden massiven Unterbrechungen von Lieferketten - die sich eben gerade nicht als "vorübergehend" erwiesen hätten - und der Krieg in der Ukraine zählen. Geldpolitik arbeite zudem in der Regel mit einer erheblichen Zeitverzögerung. (22.09.2022/alc/a/a)