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FED-Einschätzung zu Wirtschaftslage zu optimistisch


22.09.22 13:30
BNY Mellon IM

Frankfurt am Main (www.anleihencheck.de) - Die FED zielt mit ihren Leitzinsanhebungen darauf, eine Lohn-Preis-Spirale zu verhindern und rechnet mit einer leichten Rezession in den USA. Die Vorhersage könnte sich allerdings als zu optimistisch erweisen, so Thilo Wolf, Deutschland-Chef für BNY Mellon Investment Management.

Historisch gesehen hätten sich steigende Arbeitslosenquoten meist hartnäckig gehalten. Das heiße, wenn die Arbeitslosenquote erst einmal steige, werde es schwer, sie wieder unter Kontrolle zu bringen. Den Leitzins in einem Jahr um fast 450 Basispunkte anzuheben und gleichzeitig zu verhindern, dass die Arbeitslosigkeit um mehr als 100 Basispunkte ansteige, sei eine sehr schwierige Aufgabe für die Zentralbank. Die Geschichte zeige, dass hier wenig Aussicht auf Erfolg bestehe. Die Wirtschaftsprognosen nach dem gestrigen Treffen würden zeigen, dass die FED davon ausgehe, die Zinsen 2024 geringfügig auf knapp unter 4,0 Prozent zu senken.

Die Märkte scheinen bisher zuversichtlich, dass die FED eine tiefgreifende Rezession vermeiden könne. Wenn die Wirtschaftsdaten schwächer würden und die Arbeitslosigkeit zu steigen beginne, könnte sich die Lage allerdings ändern.

Das Engagement von Privatanlegern am Aktienmarkt, der gestiegene Konsum sowie solide Unternehmensbilanzen hätten aus Sicht der Experten dazu beigetragen, dass US-Aktien 2022 bei steigenden Zinsen nicht noch stärker eingebrochen seien. Wenn die FED die Zinsen jedoch weiter anhebe, könnte sich die Lage ändern. Denn wenn die Ersparnisse aufgebraucht seien, wirke sich das auf den Endverbraucherkonsum aus, bevor die Inflation spürbar zurückgehe. Das wiederum könnte die Unternehmensbewertungen unter Druck setzen.

Höhere US-Leitzinsen dürften sich bei sonst gleichen Bedingungen in einem stärkeren US-Dollar niederschlagen. Dies könnte die Schwellenländer vor Herausforderungen stellen. Diejenigen, die hohe auf US-Dollar lautende Staats- oder Unternehmensanleihen ausstehen hätten, müssten diese möglicherweise bald zu höheren Kosten umschulden. Auch die multinationalen US-Konzerne würden aufgrund des stärkeren US-Dollars wahrscheinlich einen Margendruck spüren, wenn alle anderen Faktoren gleich bleiben würden. (22.09.2022/alc/a/a)