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FED-Chef lässt die Amerikaner wohl doch noch länger auf eine Zinssenkung warten


06.02.24 09:04
Nord LB

Hannover (www.anleihencheck.de) - Die deutschen Exporte sind im Jahr 2023 um 1,4% gesunken, berichten die Analysten der NORD/LB.

Laut Statistischem Bundesamt seien Waren im Wert von 1.562,1 Mrd. exportiert worden. Im Dezember habe sich der Rückgang dabei weiter beschleunigt (minus 4,6% gegenüber November). Für das Jahr 2024 sehe es auch nicht gut aus. Das entsprechende Barometer sei im Januar auf minus 8,4% gefallen (niedrigster Wert seit September 2023). Die deutsche Exportwirtschaft starte also schlecht ins neue Jahr. Die derzeit schwächelnde Weltkonjunktur mache den Exporteuren zunehmend zu schaffen.

Der Auftragsmangel in der deutschen Industrie werde dem ifo-Institut zufolge immer stärker zu einer Belastung für die Konjunktur. 36,9% der Industrieunternehmen würden im Januar von fehlenden Aufträgen berichten. Insbesondere die energieintensive Branche klage über ausbleibende Bestellungen. Im Papiergewerbe liege der Anteil sogar bei 53,9%, in der Metallerzeugung und -bearbeitung bei 53,3%, in der chemischen Industrie seien es noch 40,6%. Weniger stark betroffen seien Unternehmen aus der Nahrungsmittelindustrie (14,9%).

In den Reigen des Statistischen Bundesamts und des ifo-Instituts geselle sich auch die Industriestaaten-Organisation OECD. Der OECD zufolge werde die deutsche Wirtschaft auch im Jahr 2024 beim Wachstum international hinterherhinken. Für 2024 prognostiziere man ein BIP-Wachstum von nur noch 0,3%. Anderen europäischen Ländern werde ein deutlich besseres Abschneiden zugetraut (Spanien: 1,5%; Italien: 0,7%, Frankreich: 0,6%). Als Ursache gebe die in Paris ansässige Organisation das große Gewicht der energieintensiven Industrie in Deutschlands Volkswirtschaft an. Daneben habe die selbstverschuldete Haushaltskrise die Unsicherheit für Haushalte und Unternehmen erhöht.

Tagesausblick: Zunächst werde heute auf die Dezember-Zahlen zur Entwicklung der Auftragseingänge in Deutschland zu achten sein. Es handle sich bei dieser Zeitreihe um eine spannende Kombination von "harten Fakten" mit einem in gewissem Umfang vorlaufenden Konjunkturindikator. Danach stünden wohl noch die Zahlen zum Construction PMI aus Britannien im Fokus. Daneben müssten die Redebeiträge von FED-Offiziellen heute ganz genau im Auge behalten werden. Die Unsicherheit bezüglich der weiteren geldpolitischen Pläne des FOMCs sei aktuell nämlich hoch.

Der Chef der US-Notenbank Powell lasse die Amerikaner wohl doch noch länger auf eine Zinssenkung warten. In einem CBS-Interview habe Powell erklärt, dass die FED erst noch durch weitere Daten einen nachhaltigen Rückgang der Inflation bestätigt sehen wolle. US-Treasuries hätten prompt reagiert. Die Rendite mit 10-jähriger Laufzeit sei im Tagesverlauf auf 4,16% (+14 Bp) gesprungen. Im Sog der Treasuries hätten auch europäische Staatsanleihen nachgegeben. Renditen deutscher Bunds seien auf 2,33% (+9 Bp) gestiegen. (06.02.2024/alc/a/a)