Eurozone: Die Schnellschätzung der Januar-Inflation bringt eine kleine Überraschung


05.02.24 09:55
Raiffeisen Bank International AG

Wien (www.anleihencheck.de) - Letzte Woche standen in der Eurozone insbesondere die Zahlen zur Januar-Inflation unter strenger Beobachtung, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG (RBI).

Und tatsächlich habe die Schnellschätzung eine kleine Überraschung gebracht. Gesamtinflation und Kerninflation hätten mit 2,8% und 3,3% im Jahresvergleich über den Erwartungen der Analysten der RBI gelegen. Zwei Entwicklungen hätten dabei hervorgestochen: Erstens hätten die Energiepreise zum ersten Mal seit September einen Anstieg im Vergleich zum Vormonat verzeichnet. Zweitens sei die Dienstleistungsinflation mit 4,0% p.a. den dritten Monat in Folge stabil geblieben. Dies deute darauf hin, dass die Energiepreise ihren Tiefpunkt bereits erreicht hätten und dass sich auch der Rückgang der Dienstleistungsinflation deutlich verlangsamt habe. Positiv zu vermerken sei hingegen, dass der Preisauftrieb bei Lebensmitteln und Gütern weiter gesunken sei.

Neben den Inflationsdaten habe mit den BIP-Zahlen zum vierten Quartal in der Eurozone ein weiteres Highlight auf der dieswöchigen Agenda gestanden. Auch hier hätten einige Datenpunkte durchaus mit einer Überraschung aufwarten können. So sei das BIP in Österreich um 0,2% p.q. angestiegen, obwohl von den Analysten der RBI als auch vom Konsens ein Rückgang erwartet worden sei. Allerdings sei an dieser Stelle erwähnt, dass die österreichischen BIP-Zahlen in der jüngeren Vergangenheit bei Folgeschätzungen oftmals noch größere Korrekturen erfahren hätten. Auch in Spanien sei das Wachstum mit 0,6% p.q. stärker ausgefallen als gemeinhin erwartet, und in Italien habe statt der angenommenen Stagnation ein Zuwachs in Höhe von 0,2% p.q. verbucht werden können. In Deutschland und in Frankreich habe sich das Wirtschaftswachstum mit -0,3% p.q. und 0% p.q. hingegen entsprechend den Erwartungen entwickelt.

In Summe würden diese nationalen Zahlen eine Stagnation im Eurozonen-Aggregat bedeuten. Somit habe eine technische Rezession (zwei aufeinanderfolgende Quartale mit BIP-Rückgängen) knapp vermieden werden können. Allerdings könne es auch hier in Folgeschätzungen noch zu Revisionen kommen. Klar sei jedenfalls, dass die Eurozone schwach ins Jahr 2024 starte, womit das Aufwärtspotenzial im Gesamtjahr 2024 beschränkt sei (die Analysten der RBI würden aktuell ein Wachstum im Gesamtjahr 2024 in Höhe von 0,5% prognostizieren).

Diese Woche falle datenseitig - insbesondere im Vergleich zu den letzten beiden Wochen - wieder etwas ruhiger aus. So erscheinen mit dem Sentix für die Eurozone (Februar) und dem ISM für das Nicht-Verarbeitende Gewerbe (Januar) in den USA lediglich zwei Stimmungsindikatoren, so die Analysten der RBI. Der Sentix habe im Januar von -16,8 auf -15,8 Punkte zulegen können, damit aber weiterhin auf ein mehrheitlich negatives Stimmungsbild unter den befragten Personen hingedeutet. Für den Februar würden die Analysten der RBI basierend auf bereits vorliegenden Daten eine weitere Verbesserung auf -15 Punkte prognostizieren. Hinsichtlich des ISM erwarte der Konsens aktuell einen Anstieg von 50,6 auf 52 Punkte.

Die US-Notenbank FED habe letzte Woche entschieden erneut die Leitzinsen unverändert zu belassen. Die Bandbreite der Federal Funds Rate stehe zwischen 5,25% und 5,5%. Dennoch seien die ersten Schritte unternommen worden, um auf einer der nächsten Sitzungen eine Zinssenkung vorzunehmen. Die FED habe Vertrauen in den Disinflationstrend gewonnen, doch möchten sich die Zentralbanker noch weiter vergewissern. Der Vorsitzende Powell halte eine Zinssenkung auf der nächsten Sitzung im März für unwahrscheinlich. Im zweiten Quartal werde es aber dann wohl so weit sein! Dies stehe im Einklang mit den Prognosen der Analysten der RBI, welche einen Zinssenkungszyklus von 25 Basispunkten pro Quartal beginnend im zweiten Quartal unterstellen würden. Ob der Zinssenkungszyklus Anfang Mai oder im Juni starten werde, hänge davon ab, wie sich bis dahin die Daten, insbesondere Inflationsdaten, entwickeln würden. Eine schnellere Taktung könne nicht ausgeschlossen werden, sollte die Disinflationsdynamik weiter zunehmen und/oder sich die US-Konjunktur stärker abkühlen.

Der Zinsmarkt bleibe weiterhin optimistisch in Hinblick auf raschere Zinssenkungen. Es werde von Zinssenkungen pro Zinssitzung (also 50 BP pro Quartal) ausgegangen und auch einer ersten Zinssenkung im März werde weiterhin eine nicht zu vernachlässigende Wahrscheinlichkeit zugemessen, auch wenn sich der Konsens seit der Zinssitzung von März auf Mai verschoben habe.

Am Zinsmarkt sei die Woche geprägt gewesen durch Renditerückgänge, sowohl in den USA als auch in Europa. 10-jährige Bund-Renditen seien um fast 20 Basispunkte gesunken und 10-jährige US-Treasury-Renditen gar um fast 30 Basispunkte. In beiden Fällen seien Rückgänge der realen Renditen tonangebend gewesen und in den USA hätten auch sinkende Inflationserwartungen zur Abwärtsdynamik beigetragen. Renditestrukturkurven hätten ihre Inversion etwas abgebaut (10J-2J: -30 BP).

Das dominante Thema am Zinsmarkt sei weiterhin die Erwartung baldiger und rascher Leitzinssenkungen der EZB und FED. Weder die Notenbanksitzungen der letzten beiden Wochen noch der fehlende Rückgang der Dienstleistungspreisinflation in der Eurozone im Januar hätten am Markt-Optimismus etwas ändern können. Die Analysten der RBI würden nach wie vor die aktuellen Markterwartungen als zu aggressiv erachten, möchten aber dennoch ihre EUR-Zinsprognosen etwas adjustieren und würden diese in Revision stellen. Unsere Bund-Renditeschätzer für das erste Quartal wurden im Januar bereits erreicht und der mittelfristige Abwärtstrend erscheint uns als bestätigt, so die Analysten der RBI. Auch die EZB-Prognose mit einer ersten Zinssenkung im dritten Quartal sei mit zunehmenden Risiken behaftet. Ein Update folge bereits diese Woche. (Ausgabe vom 02.02.2024) (05.02.2024/alc/a/a)